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Das unrühmliche Ende der "news of the world"


Großbritannien

Das unrühmliche Ende der "news of the world"

“ Es geht im wesentlichen um Aktionen, die einige Jahre zurückliegen. Damals, als wir noch eine gute Mannschaft hatten, haben einige Leute das Vertrauen zerstört zwischen ´News of the World´und ihren Lesern. Darum haben wir uns entschieden, das Blatt nach dem kommenden Sonntag einzustellen.”

So die Erklärung von James Murdoch, Sohn des Firmengründers und so etwas wie der Kronprinz im weltgrößten Presseimperium. Nach 168 Jahren endet also die Geschichte des britischen Sonntagsblattes, das zuletzt eine Auflage von 2,8 Millionen Exemplaren hatte.

“News of the world” ist gewissermaßen die Sonntagsvariante des Skandalblattes “sun” aus dem gleichen Verlag. Wie “sun” spezialisiert auf die Skandale der Reichen und Schönen. Beider Enthüllungen haben schon manche Karierre gekippt.

Aber damit sind die Skandalreporter nun eindeutig zu weit gegangen. Das Handy dieses entführten Mädchens wurde nicht nur abgehört – die mailbox wurde manipuliert, was die Ermittlungen erschwerte.

Dabei ist die 2002 getötete Milly Dowler nur eines von mindestens 4.000 Abhöropfern.

Das illegale Abhören von Telefonen wurde zum alltäglichen Mittel der Informationsbeschaffung.

Abgehört wurde auch Opfer der Anschläge von London 2005 ebenso wie Angehörige von in Afghanistan gefallenen Soldaten.

Dabei ist das nicht der erste einschlägige Skandal.

2007 kam heraus, dass der damalige Königshaus-Reporter Clive Goodman zusammen mit dem Privatdetektiv Glenn Mulcaire systematisch Bedienstete des Königshauses abgehört hatten.

Beide wurden zu mehreren Monaten Haft verurteilt.

Doch damit nicht genug. Es muss auch Geld geflossen sein für ungesetzliche Weitergabe von Informationen. An Hüter der öffentlichen Ordnung.

Ein ehemals leitender Redakteur des Blattes erinnert sich, dass immer wieder gut 200 Pfund gezahlt wurden, um die Halter von Autos zu identifizieren, die bei bestimmten Berühmtheiten zu Besuch waren. Wenn es eine “dicke” story über mehrere Seiten versprach, wurden auch schon fünf- bis zehntausend Pfund gezahlt.

Auf die Rückfrage, ob es üblich war, die Polizei zu bezahlen, kommt ein klares “ja”.

Hier wäscht nicht etwa nur ein im Streit ausgeschiedener Rachsüchtiger schmutzige Wäsche Steve Roberts, ehemaliger Chef der Anti-Korruptions-Einheit der Polizei von London bestätigt: “ Es gab einen oder zwei herausragende Fälle, bei denen es um sehr bekannte Leute ging.

Ziemliche Berühmtheiten. Als die in Straftaten verwickelt oder Opfer von Straftaten waren, fanden sie am nächsten Morgen ihre Namen in der Zeitung. Das konnte nur aus unseren eigenen Reihen kommen.”

Was Britanniens Zeitungsleser aber am meisten erschrecken dürfte – dies sind nicht etwa nur die Vergehen eines einzelnen “schwarzen Schafes”.

Plötzlich ist die ganze Zeitungsbranche unter Verdacht geraten und der Premierminister denkt über eine neue Art von Medienaufsicht nach.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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