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Todesursache: Schlendrian

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Todesursache: Schlendrian

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Trauer, aber mehr noch Entsetzen herrschen in Russland nach dem Tod von mindestens 128 Menschen an Bord eines Ausflugsschiffes auf der Wolga.

So war die über 55 Jahre alte “Bulgaria”

technisch marode und völlig überladen, als sie

bei Unwetter etwa drei Kilometer vom Ufer entfernt sank. Das Schiff war ohne Passagier-Lizenz unterwegs, es gab kaum Schwimmwesten und

keine SOS-Signale.

Die Bulgaria war auf dem Rückweg einer der bei Russen wie Ausländern beliebten Wolgakreuzfahrten, sie sank in der russischen Teilrepublik Tatarstan.

“Nachdem Taucher das Wrack durchsucht haben, gibt es so gut wie keine Hoffnung mehr auf Überlebende”, sagte der Zivilschutzminister Sergej Schoigu.

Verzweifelte warten trotzdem am Ufer:

“Ich habe einen Sohn, der ist 21. Er hat nun keine Mutter mehr und ich keine Frau,” sagt ein Mann.

Eine Frau: “Mein Sohn war auf dem Schiff, er hat gerade am 25. Juni geheiratet. Zum Glück hat er überlebt, er hat mit mir telefoniert. Und er hat mir erzählt, Mama, ich hab versucht, eine Frau zu retten, ich habe nach ihrer Hand gegriffen, aber ich konnte sie nicht mehr fassen.”

Und eine andere: “Es gab eine Sturmwarnung. Warum sind sie überhaupt losgefahren ?

Die Wut reicht bis ganz oben. Die Zahl der alten Schiffe auf russischen Gewässern, sei unverantwortlich und “astronomisch hoch”,

schimpfte Präsident Dmitri Medwedew. Offiziell müssten bis 2021 90 Prozent der russischen Binnenflotte ausgemustert werden – 9000 Schiffe.