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Fischereikommissarin: 136 europäische Fischarten gefährdet

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Fischereikommissarin: 136 europäische Fischarten gefährdet

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Nachhaltige Fischerei, das verspricht die Europäische Kommission mit einer Reform, die am Mittwoch den 13. Juli vorgelegt werden soll. Fangquoten sollen von nun an wissenschaftlich festgelegt werden, je nach Gefährdung bestimmter Arten. Ab 2013 zum Beispiel, sollen die Fischer ihren Beifang nicht mehr ins Meer zurückwerfen dürfen. Viele Fischer sind nicht damit einverstanden. Antworten der europäischen Fischereikommissarin Maria Damanaki.

euronews:

Frau Damanaki, diese Reform ist ihr Projekt. Sie wollen unter anderem, dass Fangquoten zukünftig verkauft werden können. Manche Fischer und auch Nichtregierungsorganisationen sagen, dass bedeutet allgemein zugängliche Ressourcen zu Handelswaren zu machen. Was antworten Sie?

Maria Damanaki:

“Das ist absolut nicht, was wir im Sinn haben. Ich würde genau das Gegenteil sagen: Es geht darum, diese Ressourcen zu schützen. Wir wollen den Besitzern der Fangboote erlauben, diese Ressourcen für eine bestimmte Zeit zu nutzen.”

euronews:

“Fischer sagen auch, dass dies zu mehr industrialisiertem Fischen führen wird, weil kleine Fischer ihre Quoten den Größeren verkaufen werden.”

Damanaki:

“Dazu möchte ich gleich sagen, dass die Regierungen ihre kleinständigen Fischer von diesem System ausnehmen können. Wir möchten auch die Küstenregionen schützen, und zwar mit speziellen Zuschüssen für kleinere Fischer. Wir werden versuchen, die Überkapazitäten der großen Schiffe, der riesigen Trawler, zu reduzieren. Wenn wir nichts tun, dann wären von heute 136 Fischarten in zehn Jahren nur noch acht in guter Verfassung. Das wäre auch das Ende für die meisten Fischer.”

euronews:

“Fisch über Bord zu werfen, soll verboten werden. Was sollen die Fischer denn dann mit ihrem Beifang tun, den sie doch nicht verkaufen dürfen?”

Damanaki:

“Da haben wir tatsächlich ein Problem zu lösen. Ich muss zugeben, dass wir noch daran arbeiten. Darum ist unser Vorschlag auch, das Wegwerfen des Beifangs nicht ab sofort zu verbieten – wir brauchen eine Übergangsfrist. Wenn ich einem Fischer sage, von dieser Fischart können Sie höchstens so und soviel fangen – dann wirft er den Beifang natürlich weg.

Darum sagen wir den Fischern: Ihr müsst alles, was ihr fangt, an Land bringen, und dann schauen wir gemeinsam, wie wir das Problem lösen können. Da wird guter Fisch drunter sein, den man durchaus verkaufen kann. Und da wird natürlich auch Fisch drunter sein, der zwar ‘gut’ ist, aber keinen Gewinn einbringt. Den kann man vielleicht einfrieren, weiterverarbeiten oder den Armen geben – aber der soll nicht mehr zurück ins Meer geworfen werden!”

Das Gespräch führte Audrey Tilve.