Eilmeldung

Eilmeldung

Fischbestände retten – Kritik von allen Seiten

Sie lesen gerade:

Fischbestände retten – Kritik von allen Seiten

Schriftgrösse Aa Aa

In fast allen europäischen Gewässern gehen die Fischbestände rapide zurück. Um den Trend umzukehren – oder zumindest aufzuhalten -  legte nun die Europäische Kommission einen Reformplan vor, nach dem die Fangquoten zukünftig streng wissenschaftlich, nach der natürlichen Reproduktionsfähigkeit der Arten, berechnet werden sollen. Fischereikommissarin Maria Damanaki erklärte, dass bis 2015 das Ziel der Nachhaltigkeit erreicht sein soll. Und dass dies verbindlich festgelegt werden soll.
 
Unter anderem will Damanaki den Rückwurf sogenannten Beifangs verbieten. Dabei werden ungewünschte Meerestiere wieder über Bord gekippt, wobei viele Tiere schon tot oder verletzt sind. Stattdessen sollen nun alle gefangenen Fische angelandet werden müssen. So hofft die Fischereikommissarin, die Fischer zu gezielteren Fangmethoden anhalten zu können. Flankiert werden soll dies durch einen Handel mit den Quoten. Dabei könnten beispielsweise größere Fangfirmen kleineren Fischern deren Quoten abkaufen, was zu einer Konzentration der Flotte führen würde.
 
Der Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer meldete bereits Bedenken zu einzelnen Punkten an. So seien pauschale Verbote des Rückwurfs nicht sinnvoll, erklärte der Verband in Hamburg. Sie könnten zu großen Aufwand bedeuten, wenn die ungewünschten Fische an Land verwertet werden müssen. Das Ziel einer nachhaltigen Bestandsbewirtschaftung sei aber richtig.
 
Widerstand muss Damanaki aus den Fischfang-Nationen Frankreich und Spanien erwarten. Die Fischer könnten nicht tagelang auf See sein und ihre Lager dort mit unverkäuflichem Fisch füllen, kritisierte der Chef des französischen Nationalen Fischereikomitees, Pierre-Georges Dachicourt.
 
Umweltschützer bestätigten den guten Willen der Kommissarin. Doch viele kritisieren, die Pläne seien zahnlos und gingen nicht weit genug. So sei zum Beispiel nicht genau genug festgeschrieben, wer für Umsetzung und Kontrolle verantwortlich sei. 
 
Saskia Richartz, die Fischereiverantwortliche von Greenpeace in Brüssel fügt hinzu, dass ein verlässlicher Plan zur Reduzierung der völlig überdimensionierten Fischereiflotte der EU fehle. Vor allem die großen Fischernationen, Spanien, Frankreich und Italien müssten begreifen, dass die Fischbestände dringend Erholung brauchen.