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Hungerkatastrophe am Horn von Afrika

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Hungerkatastrophe am Horn von Afrika

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Es ist die schlimmste Hungerkatastrophe seit einem halben Jahrhundert am Horn von Afrika.
Bis zu zehn Millionen Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.
 
Sie kommen im Moment vor allem aus Somalia.
Zehntausend geschwächte, halb verhungerte Elendsgestalten schleppen sich jede Woche mit letzter Kraft in das größte Camp gleich hinter der Grenze in Kenia.
 
Das Lager war für 90.000 Menschen geplant – viermal so viele Hilfsbedürftige drängen sich dort schon.
Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge Antonio Guterres macht das Zusammenspiel von Konflikten und Dürre für die aktuelle Massenflucht verantwortlich. Kinder sterben unterwegs oder kommen in den Lagern so geschwächt an, dass Ärzte ihnen nicht mehr helfen können.
 
Jedes zehnte Kind in Somalia ist akut vom Hungertod bedroht. Seit März hat sich die Todesrate verdoppelt, registriert das Internationale Rote Kreuz. Ausgerechnet Somalia, den gescheiterten Staat ohne Verwaltung, ohne Infrastruktur, hat die Dürre am schlimmsten getroffen. Aber auch in Kenia, Äthiopien und Dschibuti verschlechtert Wassermangel die Lebensgrundlagen mit jedem Tag.
 
Der Norden von Kenia ist keineswegs der am schlimmsten durstende Landstrich in der Dürre-Region. Doch auch hier bleiben geschwächte Rinder einfach liegen und sterben. Dabei ernährt hier in guten Zeiten eine Kuh eine ganze Familie.
Aus Bauern sind wieder einmal Bettler geworden.
So wie die Witwe Fatuma Ahmed, die eine einzige Mahlzeit für diesen Tag kochen kann. Einen Ernährer hat die Familie nicht. Ihre Kinder muss sie allein großziehen. Die Tiere sind ihr weggestorben. Mutter und Kinder leben nur noch von dem, was Hilfsorganisationen verteilen, Mais, Bohnen, ein wenig Öl.
 
Der Weg in die schon aufgegebenen Dörfer von Somalia wäre für westliche Medienleute viel zu gefährlich. Und selbst hier in Nord-Kenia, wo sie noch im eigenen Dorf zu überleben versuchen, hat die Not die Menschen unwiderbringlich gezeichnet.
Mori Omar ist 56 Jahre alt – und hat das Gesicht einer Greisin.
 
“Das kommt vom Hungern”, sagt sie.
Wasser bringt das Fahrzeug einer Hilfsorganisation.
Ein aussichtsloser Kampf, urteilen UN-Experten und mahnen: Mittlerweile herrscht Dürre in dieser Region schon in jedem zweiten Jahr.