Eilmeldung

Eilmeldung

Griechenlands Schulden: weiterer Daumen gesenkt

Sie lesen gerade:

Griechenlands Schulden: weiterer Daumen gesenkt

Schriftgrösse Aa Aa

In der Euro-Schuldenkrise scheint die Politik immer mehr getrieben – durch Angriffe der Märkte und die Entscheidungen der Ratingagenturen. Moody’s hatte zuvor nach Griechenland und Portugal auch die Kreditwürdigkeit Irlands auf Ramschniveau herabgestuft. Nun zog Fitch Rating nach, und deklassierte Griechenland auf knapp eine Stufe vor Zahlungsausfall. Der Sprecherin der Europäischen Kommission, Pia Ahrenklide, blieb nur, Bedauern zum Ausdruck zu bringen. Und Unverständnis, weil doch die Europäische Union und der Internationale Währungsfond sich gerade geeinigt hätten, die nächste Tranche Hilfsgelder an Griechenland auszuzahlen.

Schritt für Schritt hatten die Ratingagenturen in den vergangenen Monaten die Kreditwürdigkeit schuldengeplagter Euro-Länder immer weiter herabgestuft – trotz der Milliarden an Hilfskrediten. In der Europäischen Kommission wird schon erwogen, die drei großen Agenturen langfristig zu zerschlagen. Als kurzfristigere Lösung bringt die französische Europaabgeordnete Pervenche Berès gemeinschaftliche Anleihen aller Euro-Länder ins Spiel, die dann als gemeinsamer, einheitlicher Schuldner auftreten würden. Dies würde auch politisch mehr Verbundenheit schaffen.

Die Finanzminister der Eurogruppe können sich indes nicht einmal auf ein zweites Rettungspaket für Griechenland einigen, es gibt Streit um die Beteiligung privater Gläubiger – so dass auch ein teilweiser Zahlungsausfall Athens nicht mehr tabu ist. Und selbst die Organisation eines Not-EU-Gipfels scheint zu scheitern.

Pierre Defraigne, Wirtschaftswissenschaftler am Europakolleg in Brügge, bedauert, dass die Finanzwirtschaft keinerlei Kontrolle unterliegt. Sollte die Märkte noch andere Länder angreifen und in die Knie zwingen, dann könnten sie die gesamte Architektur der Eurozone niederringen.

An diesem Freitag soll die Europäische Bankenaufsicht zudem die Ergebnisse des

Banken-Stresstests veröffentlichen. Neben Instituten aus den kriselnden Euro-Staaten könnte auch eine deutsche Bank durchfallen.