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Stresstests: Stress für Banken – Kritik von Analysten

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Stresstests: Stress für Banken – Kritik von Analysten

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Viele Europäische Banken hatte der Stress-Test unter Stress gesetzt. Durchgerechnet wurde die Fähigkeit der Banken, Ereignissen wie einem Einbruch der Konjunktur oder Turbulenzen an den Finanzmärkten zu überstehen. Gleichzeitig aber können die Ergebnisse dieser Tests, sollten sie schlecht ausfallen, die Widerstandsfähigkeit der Banken weiter vermindern.

Florence Ranson, die Sprecherin der Europäischen Bankenvereinigung schlägt denn auch vor, dass in Zukunft die Ergebnisse dieser Tests nicht mehr veröffentlicht werden. Und sie sagt, dass die Kriterien der Europäischen Bankenaufsicht weiter härter seien, als diejenigen die normalerweise die nationalen Bankenaufsichten verwenden.

Harte Kriterien, das heißt vor allem, dass Banken, die nach der Simulation nicht mindestens fünf Prozent unmittelbar haftendes Eigenkapital übrig behalten durchfallen. Zusätzlicher Stressfaktor: Wie regieren die Anleger, wenn eine Bank durchfällt – oder nur gerade über die Messlatte kommt?

“Das könnte durchaus einen Rückkopplungseffekt auf den Märkten haben”, heißt es bei der Bankenvereinigung. “Aber”, so die Sprecherin, “diese Stresstests sind nur eine mögliche Weise, die Widerstandsfähigkeit der Banken zu testen. Darum muss man die Ergebnisse mit Pinzetten nehmen.”

Im Vergleich zu den Stresstests vor einem Jahr waren diesmal die Kriterien verschärft worden, denn damals hatten alle irische Banken bestanden – und waren nur kurz später ins Straucheln geraten.

Die einen halten die Kriterien der Banken-Stresstests für zu hart – andere bemängeln dagegen, dass die Szenarien mögliche Entwicklungen der kommenden Monate gar nicht einrechnen – so der Chefökonom der belgischen Degroof Bank, Etienne de Callataÿ im euronews-Interview.

euronews:

“Herr de Callataÿ, wird vor dem Hintergrund der Krise durch die Veröffentlichung der Ergebnisse der Bank-Stress-Test nicht Öl ins Feuer gegossen?”

Etienne de Callataÿ:

“Ja, weil diese Tests unangenehm sein müssen, um glaubwürdig zu sein – aber gleichzeitig können sie nicht mit dem schlimmsten Szenario arbeiten. Wenn zum Beispiel angenommen wird, dass die Schulden Griechenlands nur zu 20 Prozent verloren gingen – obwohl die Märkte mit viel höheren Verlusten rechnen, dann sieht man das die Tests sehr wohlwollend sind, um nicht zu sagen gefällig.”

euronews:

“Beim letzten Stresstest hatten einige Banken aus Irland den Test mit guten Noten bestanden – und nur kurze Zeit später waren genau diese Banken in großen Schwierigkeiten. Was war das passiert?”

De Callataÿ:

“Tja, da hatte man nicht alle Möglichkeiten in Betracht gezogen. Heute aber ist die Staatsverschuldung zentral, und da kann eine Behörde nicht als schlimmstes Szenario sagen: ‘die Schulden Griechenlands, Protugals oder Irlands werden nur zu 50 Prozent zurückgezahlt’ – weil man schon dadurch, dass man das sagt, diese Möglichkeit als glaubwürdig erscheinen lässt.

Die Arbeitshypothesen sind also nicht wirklich extrem, weil sonst der Effekt der selbst erfüllenden Prophezeiung eintreten würde: Extreme Arbeitshypothesen machen genau diese extreme Hypothesen glaubwürdiger und das wiederum führt zu noch mehr Panik an den Märkten.”

Das Gespräch führte Olaf Bruns.