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Mailänder Börse straft Berlusconis Sparpaket ab

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Mailänder Börse straft Berlusconis Sparpaket ab

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Die Mailänder Börse hat ihr Urteil gefällt: Am ersten Handelstag nach der Verabschiedung des Sparpakets durch das Abgeordnetenhaus gab es zu Wochenbeginn massive Verluste. Investoren machten damit deutlich, was sie von der Fähigkeit der Regierung halten, das Land vor dem Gröbsten zu bewahren – nämlich nicht viel.

Um das neue Sorgenkind der EU mit dem nach Griechenland höchsten Schuldenstand aus dem Sumpf zu ziehen, soll das Sparpaket der Regierung bereits im laufenden Jahr drei Milliarden Euro einbringen. 2012 weitere sechs Milliarden, 2013 gleich 25 Milliarden und 2014 sogar 45 Milliarden.

Das alles durch die Streichung von Steuervergünstigungen und staatlichen Leistungen.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte, er würde den Menschen lieber Steuersenkungen verschaffen, aber das sei angesichts der harten Zeiten nicht möglich. Offenbar ein neuer Berlusconi. Bislang hatte er stets gesagt, in Italien sei alles bestens.

Schuldenkrise: "Wir dürfen nicht in der Mitte stehen bleiben"


 
euronews: Schuldenkrise in Europa und in den USA, der Euro in Gefahr, Tito Boeri, das gerade verabschiedete italienische Sparpaket ist nicht genug, um an den Märkten Vertrauen zu stiften. Inwieweit haben die schweren Verluste an der Mailänder Börse mit der politischen Fragilität von Silvio Berlusconi zu tun?
 
Boeri: Die Märkte haben kein Vertrauen in unser Land. Sie haben Angst, dass Italien nicht fähig ist, den Sanierungsprozess fortzusetzen. Das hat dann mit zu diesem negativen Klima beigetragen, und jetzt ist es sehr schwer, diese Tendenz wieder umzudrehen. Man muss jetzt sehr starke Signale aussenden, und unglücklicherweise reicht das Sparpaket nicht aus, um die Spekulation an den Märkten zu beruhigen.
 
 
euronews: Sie reden von einer Glaubwürdigkeitskrise, die die gesamte politische Klasse Italiens betrifft. Sind denn jetzt vorgezogene Wahlen die einzige Lösung? 
 
Boeri: Wir müssen in diesem Kontext ein Zeichen für Kontinuität setzen. Ich würde Neuwahlen nicht befürworten, weil dadurch eine neue Phase der Instabilität beginnen würde. Vielmehr bin ich der Meinung, dass wir eine Regierung der nationalen Solidarität brauchen, die die starke Unterstützung aller politischer Kräfte hat. Diese Regierung sollte dann ein Reformprogramm für wirtschaftliches Wachstum beschließen. Dies wäre ein starkes Signal an die Märkte.
 
 
euronews: Wie ist die EU in diese Lage gekommen?
 
Boeri: Ich glaube, dass sich die politische Klasse in Europa bewusst werden sollte, dass es viele Probleme zwischen den Ländern gibt. Im Falle Griechenlands muss an einer ordentlichen Restrukturierung der Schulden gearbeitet werden. Die Europäische Währungsunion kann nur funktionieren, wenn sie von einer stärkeren Steuer-Koordinierung begleitet wird. Wenn wir in der Mitte stehen bleiben, besteht immer das Risiko, dass wir wieder zurückgehen wollen.