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Internationales Filmfestival in Odessa

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Internationales Filmfestival in Odessa

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Odessa, die Perle am Schwarzen Meer, feiert das zweite internationale Filmfestival. Im neobarocken Opernhaus, gleich neben der weltberühmten Potemkinschen Treppe wurde das Filmtreffen glanzvoll eröffnet. Die Veranstalter haben große Ambitionen: Die Schaffung eines der führenden Filmfestivals in Osteuropa in der mythischen Kulturmetropole Odessa. Ihr Ruf als multiethnischer Meltingpot beeindruckte offensichtlich auch den diesjährigen Ehrengast des Festivals, US-Schauspieler John Malkovich. “Es ist eien Mischung aus Geschichte, unterschiedlichen ethnischen Gruppen und Stämmen. Es gibt Russen, Türken, insgesamt über dreißig verschiedene Volksgruppen in Odessa. Und es gab, zumindest in der Vergangenheit, auch eine fantastische jüdische Geschichte.”

Vierzehn Filme aus aller Welt sind diesmal im Rennen, viele unterschiedliche Trends, Stile und Genres. Allen gemeinsam ist ein gewisser, konzeptueller Sinn für Humor.

Auf ironische Weise, eindeutig unter der Gürtellinie, befasst sich der ukrainische Beitrag “PorNo!” von Aleksandar Shapiro mit den Abgründen einer Gesellschaft im Wandel. Es geht um einen jungen Mann, der eher zufällig in die Pornobranche einsteigt und diese als lukrative Einnahmequelle entdeckt. Der Streifen berührt unterschiedliche Aspekte des Milieus, Drogen, auch Sextourismus und Menschenhandel. Dennoch ging es Filmemacher Shapiro nicht so sehr darum, moralische Fragen aufzuwerfen. Er sieht die Dinge eher abgeklärt. “Ich habe keine Vorurteile Pornofilmen gegenüber, ich habe vor fünfzehn Jahren selbst einen gedreht. Ich sehe da kein Problem. Geschäft ist Geschäft.” Shapiro gehört zur aufstrebenden ukrainischen Filmemachergeneration und war unter anderem auf den Festivals in Berlin und Cannes zu Gast. Mit seinem jüngsten Werk, betont der Regisseur, wolle er tragische, nicht moralische Tiefen erforschen, auf der für ihn typischen, satirischen Weise.

Der Programmabschnitt “Made in Odessa” wirft den Blick zurück auf die bewegte Kinogeschichte der Stadt, die mit Eisensteins “Panzerkreuzer Potemkin” berühmt wurde. Zu sehen ist unter anderem der sowjetisch-polnische Filmklassiker “Déjà vu” von Juliusz Machulski. Ein Amerikaner polnischer Abstammung wird in den 20er Jahren von der Mafia nach Odessa geschickt, um einen Verräter zu liquidieren. Die Gangsterkomödie spielte unter anderem in einem eleganten Hotel der Stadt, das bis heute existiert und erst vor kurzem aufwendig renoviert wurde.

Jerzy Stuhr, der 1988 die Hauptrolle in “Déjà vu” spielte, kehrt mit einer gewissen Nostalgie an den Drehort eines seiner erfolgreichsten Filme zurück. Der polnische Schauspieler ist Präsident der Internationalen Jury der diesjährigen Festivalausgabe. “Für mich ist es eine emotionale Reise in die Vergangenheit, zurück an den Ort, an dem ich so herzlich aufgenommen wurde.”

Auch die berühmte Hafentreppe von Odessa spielt schließlich eine wichtige Rolle bei dem Festival. Hier finden die Freiluftfilmvorführungen statt, in diesem Jahr Fritz Langs Klassiker “Metropolis” vor mehreren tausend Zuschauern.