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Wie grün ist Biosprit? Oettinger stellt Zertifikatsystem vor

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Wie grün ist Biosprit? Oettinger stellt Zertifikatsystem vor

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Im grünen Umland der Hauptstadt Brüssel findet sich der größte Produzent von Biokraftstoff in Belgien. Aus Weizen und Roter Beete werden bei ‘Biowanze’ rund 300.000 Kubikmeter Bioethanol pro Jahr.

Biokraftstoffe sollen vor allem den CO2-Ausstoß verringern — der hier gewonnene bringe es auf bis 70 Prozent weniger, undzwar ohne Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion, so Biowanzes

Christelle Noirhomme:

“Wir verarbeiten nur Überschussproduktion. Also, sozusagen alles was nicht Lebensmittel sein kann, wird von uns in Energie verwandelt.”

Allein im Transportsektor hat die EU einen Einsatz von mindestens 10% erneuerbarer Energie bis zum Ende des Jahrzehnts vorgeschrieben. Damit Biosprit dabei mithelfen kann, muss er nachhaltig sein. Energiekommissar Oettinger stellte dazu heute als ersten Schritt ein freiwilliges Zertifikatsystem vor.

Biokraftstoffunternehmen können demnach wählen, ob sie die Einhaltung der Nachhaltigkeitsanforderungen durch nationale Systeme oder durch ein von der Kommission anerkanntes freiwilliges System nachweisen wollen.

Insgesamt sieben Zertifizierungssysteme für solche

Kraftstoffe wurden von der Kommission europaweit anerkannt – darunter auch das deutsche

ISCC-Siegel.

Bei einem solchen System wird überprüft, wo und wie die Biokraftstoffe hergestellt werden.

Dazu Günther Oettinger:

“Ein Großteil der heutigen Biokraftstoffe wird aus Pflanzen hergestellt und deswegen muss unsere Sorge dahin gehen, dass weder Regenwälder noch andere empfindliche Ökosysteme Schaden nehmen können.”

Ein Zertifikationssystem mag ein guter Beginn sein, aber das eigentliche Problem bleibt dabei unberührt, sagen Umweltschützer, nämlich die bevorstehende Umwandlung von Wald- und Ackerland von weltweit einer Fläche von bis zu 8 Millionen Hektar.

Nusa Urbancic von der Umwelt-dachorganisation ‘Transport & Environment’:

“Die Kommission hätte bis Ende diesen Monats einen Vorschlag zum Thema indirekte

Landnutzungsänderungen vorlegen sollen, aber sie hat diesen Termin verpasst, und das, obwohl kommissionseigene Untersuchungen bestätigen, dass einige Biokraftstoffarten mehr CO2 ausstoßen als fossile Brennstoffe.”

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, sagt die Kommission — und will nun ihre Vorschläge zum Thema indirekte Landnutzungänderungen unmittelbar nach der Sommerpause vorlegen.