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Mutmaßlicher Kriegsverbrecher vor der Auslieferung nach Den Haag

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Mutmaßlicher Kriegsverbrecher vor der Auslieferung nach Den Haag

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Der als mutmaßlicher Kriegsverbrecher gesuchte Goran Hadzic ist gefasst worden. Er war der letzte noch gesuchte Anführer aus den Bürgerkriegen Jugoslawiens Anfang der neunziger Jahre.

Hadzic war damals Präsident der serbischen Minderheit in Kroatien. Mit ihrem Gebiet, der Krajina, wollte sie sich von Kroatien abspalten.

Hadzic muss sich nun vor dem Jugoslawientribunal in Den Haag verantworten, wegen der Tötung und Vertreibung von Nicht-Serben aus der Krajina.

Seit 2004 war Hadzic abgetaucht; bis dahin lebte er offen in der serbischen Stadt Novi Sad. Als das Haager Tribunal Anklage und Haftbefehl gegen ihn erließ, wurde er aber offenbar gewarnt und konnte untertauchen.

Serbiens Präsident rechtfertigt die lange Zeit seitdem. Boris Tadic erinnert dazu an den Fall Osama bin Laden: Lange und schwere Arbeit sei das

gewesen, fast ein Jahrzehnt lang – am Ende aber erfolgreich. Im jetzigen Fall sei es das Gleiche: Man habe schwer und systematisch gearbeitet und sei damit zum Ziel gelangt.

Hadzic kann nun an das Haager Tribunal ausgeliefert

werden. Laut seinem Anwalt verzichtet er auf einen Einspruch. Die dreitägige Frist für so einen Einspruch muss trotzdem erst noch abgelaufen sein.

Seine Verhaftung und Auslieferung war seit langem eine Bedingung für die weitere Annäherung Serbiens an die EU. Mit der jetzigen Festnahme sind alle gefasst, die von dem Tribunal als Kriegsverbrecher gesucht wurden. Serbien hofft nun, schon bald EU-Beitrittskandidat zu werden.

Erst vor kurzem war Ratko Mladic festgenommen worden, ebenfalls seit langem gesucht. Auch er ist als Kriegsverbrecher angeklagt, in seinem Fall wegen der Geschehnisse im Bürgerkrieg in Bosnien. Auch sein Mitstreiter von damals, Radovan Karadzic,

muss sich inzwischen in Den Haag verantworten – ebenso wie nun auch Goran Hadzic.