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Zeitenwende auf dem Balkan

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Zeitenwende auf dem Balkan

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Dieses Gericht könnte in absehbarer Zeit seinen Zweck erfüllt haben. 18 Jahre besteht jetzt das “Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien”. Hier sass der Serbe Milosevic seinen Richtern gegenüber ebenso wie andere für Massaker und Vertreibung Verantwortliche. Insgesamt 161 Angeklagte. Und zwar nicht nur Serben. Denn Kriegsverbrechen geschahen auf allen Seiten.

Mit Ante Gotovina wurde der auf kroatischer Seite Hauptverantwortliche zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte im Sommer 1995 die Kampfhandlungen in der Krajina geleitet, mit denen kroatische Truppen dieses Gebiet von den Serben zurückeroberten – und dabei ähnlich brutal vorgingen wie ihre Gegner.

Mit der Überstellung von Gotovina öffneten sich für Kroatien die Türen zur Europäischen Union.

Es ist durchaus vorstellbar, dass dieses Beispiel den Regierenden in Serbien zu denken gab.

Im gleichen Jahr erhöhte die Europäische Union ihren Druck auf Serbien und setzte begonnene Assoziierungsverhandlungen aus. Diese Methode sollte sich als erfolgreich erweisen. Auch wenn es noch einige Jahre dauerte, ehe die serbischen Behörden dann auch die letzten mutmaßlichen Kriegsverbrecher auf ihrem Staatsgebiet “fanden”.

Der Wind hat sich gedreht in Serbien. Statt der beinharten Nationalisten bekamen realistisch denkende Politiker mit Blick nach Europa immer größeren Einfluß. Auch in der Bevölkerung hatte sich nach und nach die Stimmung geändert. Immer mehr Serben wollen lieber an der europäischen Entwicklung teilhaben als nationalistische “Kriegshelden” verherrlichen und schützen. So wurden denn die letzten lange angeblich unauffindbaren Beschuldigten gefunden und ausgeliefert.

“Serbien bewegt sich vorwärts im Umgang mit den Problemen seiner Vergangenheit und hat so eine europäische Perspektive”, kommentiert Catherine Ashton die Festnahme von Hadzic.

Und der Berater beim Chefankläger des Jugoslawien-Tribunals, Frederic Swinnen”, spricht von “Serbiens Beweis dafür, dass Zusamenarbeit mit dem Tribunal kein leeres Versprechen ist.”

Die Arbeit dieses Sondertribunals geht in die letzte Runde. Man möchte sich wünschen, dass es nicht für die Aufarbeitung eines neuen Krieges gebraucht wird.