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Goran Hadzic vor der Auslieferung nach Den Haag

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Goran Hadzic vor der Auslieferung nach Den Haag

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Goran Hadzic hat sich in den Jahren seines Untertauchens wohl die meiste Zeit in Russland aufgehalten: Das berichten serbische Medien. Der als Kriegsverbrecher gesuchte Hadzic war gestern in Serbien gefasst worden.

Offenbar wurde ihm Geldmangel zum Verhängnis. Auch das berichten Zeitungen unter Berufung auf die Ermittler. Demnach traf er sich in einem Wald bei dem Dorf Krusedol nordwestlich von Belgrad mit einem Helfer, der ihm Geld aushändigen wollte. Dabei habe ihn der Geheimdienstes festgenommen.

Hadzic hatte bei seiner Festnahme sein Äußeres so verändert, dass er fast nicht wiederzuerkennen war. Seinen dichten dunklen Vollbart, sein Markenzeichen von früher, hatte er abgenommen. Er habe eine Pistole gehabt, die er aber nicht einsetzte, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Diese Festnahme ist für viele Serben auch heute das Thema des Tages. Hadzic habe sein Volk verteidigt und niemanden getötet, sagt ein Rentner in der Hauptstadt Belgrad. Verbrechen sei etwas Individuelles: Er glaube nicht, dass Hadzic getötet oder Tötungen befohlen habe.

Mir egal, ist lange her, sagt dagegen ein anderer Mann; wir haben soviel durchgemacht, ich habe keine Meinung.

Hadzic war der letzte noch gesuchte Anführer aus den Bürgerkriegen beim Zerfall Jugoslawiens Anfang der Neunziger. Damals war er Präsident der serbischen Minderheit in Kroatien, die sich mit ihrem Gebiet, der Krajina, abspalten wollte.

Das Jugoslawientribunal in Den Haag macht Hadzic verantwortlich für die Tötung und für die Vertreibung vieler Nichtserben aus der Krajina. Möglicherweise schon morgen wird er ausgeliefert; auf einen Einspruch hat er verzichtet.