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Norwegens schwarzer Freitag

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Norwegens schwarzer Freitag

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Es war ein wahrlich schwarzer Tag für Norwegen: Um 15.30 Uhr explodierte die Bombe im Regierungsviertel der Hauptstadt Oslo. Die Wucht der Detonation richtete großen Schaden an: Mehrere Gebäude wurden verwüstet, darunter auch jenes, in dem sich das Büro des norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg befindet. Stoltenberg selbst war zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend. Fenster zersplitterten, Mauern stürzten ein, die Innenstadt von Oslo verwandelte sich binnen weniger Minuten in ein Trümmerfeld. Menschen flohen in Panik, es herrschte das pure Chaos.

Zahlreiche Verletzte mussten ins Krankenhaus gebracht werden, Augenzeugen berichteten von blutüberströmten Menschen auf der Straße. Das friedliche, wohlhabende Norwegen wurde jäh aus seiner Ruhe gerissen, das politische Zentrum des Landes verlor plötzlich seinen Glanz, versank in einem Abgrund des Grauens.

Die Polizei riegelte das Gebiet weiträumig ab, die Menschen wurden aufgefordert, sich vom Zentrum fernzuhalten, Menschenansammlungen zu vermeiden und auch nicht mit dem Handy zu telefonieren, um das Netz nicht zu überlasten. Der Hauptbahnhof wurde ebenso evakuiert wie mehrere Einkaufszentren und Fernsehstationen, auch am Flughafen wurden die Kontrollen umgehend verschärft.

Bald war klar, dass es sich um einen Anschlag handelte – einen Anschlag, dessen Hintergründe zunächst vollkommen im Dunkel lagen. Experten spekulierten über eine mögliche Verwicklung der Terrororganisation Al-Kaida und erklärten, Norwegen sei womöglich wegen seiner verhältnismäßig schwachen Sicherheitsvorkehrungen als Ziel ausgewählt worden. Tatsächlich steht das Land seit längerem im Fadenkreuz radikalislamischer Organisationen – obwohl das Land nur mit rund 400 Soldaten in Afghanistan vertreten ist und als ausnehmend liberal auch Muslimen gegenüber gilt.

Wenig später dann die nächste Hiobsbotschaft: In einem sozialdemokratischen Jugendlager auf der Insel Utya hatte ein Unbekannter um sich geschossen und mehrere Menschen getötet. Offenbar hatte er sich als Polizist verkleidet und erklärt, er müsse wegen des Bombenanschlags Kontrollen durchführen, bevor er die Waffe zog. Die Jugendlichen versuchten, zu fliehen, manche wollten sich schwimmend auf das Festland retten – denn laut Augenzeugen war das Boot, das eigentlich zu dem Lager gehörte, nicht mehr an seinem Platz.

Kurz darauf bestätigte die Polizei, dass es einen Zusammenhang mit dem Anschlag in Oslo gebe, und berichtete von einem Verdächtigen, der festgenommen worden sei.

Norwegens schwarzer Freitag hat den Nimbus des Landes als Hort des Friedens und der Toleranz zerstört: Nach diesem Tag gelten auch hier andere, düsterere Regeln.