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Rodrigues: "Dieser Euro-Gipfel war ein Wendepunkt."

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Rodrigues: "Dieser Euro-Gipfel war ein Wendepunkt."

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Die europäische Schuldenkriese sorgt nach wie vor für Aufregung auch und vor allem in Portugal, das selbst mit seinen hohen Schulden kämpft. Für euronews hat Carina Branco mit Maria João Rodrigues gesprochen. Rodrigues ist Beraterin der europäischen Institutionen, Professorin an der Freien Universität Brüssel und war früher Arbeitsministerin in Portugal.

euronews:

Wie schätzen Sie die Ergebnisse des Gipfels der Staats- und Regierungschefs der Eurozone ein?

Maria João Rodrigues:

Ich glaube, es handelt sich um ein wirklich wichtiges Abkommen. Dieser Gipfel gibt eine Antwort auf ein ernsthaftes Problem Europas: die Krise der Eurozone unter Kontrolle zu bekommen. Dazu war es nötig, ein glaubwürdiges Rettungspaket für Griechenland zu schnüren und die Ansteckung auf andere Länder zu verhindern.

euronews:

Und wie wird dieses Abkommen die Ansteckung anderer Länder der Eurozone verhindern?

Rodrigues:

Es gab da eine wichtige Entscheidung zum Europäischen Stabilitätsmechanismus, dem Euro-Rettungsschirm, der nun in der Lage ist, Unterstützungskredite zu einem niedrigeren Zinssatz und mit längeren Laufzeiten zu vergeben. Aber es werden noch andere Instrumente zur Verfügung stehen, nämlich Kreditlinien für Länder, die nicht an Hilfsprogrammen teilnehmen. Der Rettungsmechanismus wird auch am Sekundärmarkt tätig sein können – ich denke, dass ist die wichtigste Maßnahme.

euronews:

Ist es nicht ein erster Schritt in Richtung Eurobonds, wenn dieser Stabilitätsfonds die Möglichkeit hat griechische Schulden auf dem Sekundärmarkt zu erwerben?

Rodrigues:

Möglicherweise. Es ist zu früh, um das zu beantworten, aber es ist natürlich ein guter Schritt in diese Richtung. Der Fonds hat bereits die Möglichkeit, europäische Bonds auszugeben und indem er sie in nationale Anleihen eintauscht, werden mehr europäische Bonds in Umlauf gebracht. Ich denke, das ist ein interessanter Schritt in diese Richtung.

euronews:

Wie können Eurobonds konkret Griechenland, Portugal und Irland helfen?

Rodrigues:

Sie erleichtern die Schuldenrückzahlung. Diese Länder haben hohe Schulden und solche Instrumente helfen ihnen, niedrigerer Zinsen zu zahlen.

euronews:

Könnte die Beteiligung des Privatsektors am Rettungsplan zum Zahlungsausfall Griechenlands führen?

Rodrigues:

Darüber wird es natürlich Diskussionen geben. Aber man muss unterstreichen, dass die Beteiligung der Privatanleger auf freiwilliger Basis geschieht. Die Banken können aus verschiedenen Instrumenten auswählen. Und Griechenland ist ein Sonderfall, der in keinem anderen Euro-Land wiederholt werden kann – alle anderen Staaten haben sich verpflichtet, ihre gesamten Schulden abzuzahlen.

euronews:

Was würde mit der griechischen Wirtschaft im Fall eines Zahlungsausfalls passieren?

Rodrigues:

Dann müssten wir tatsächlich den sogenannten Domino-Effekt beobachten. Ein Zahlungsausfall der griechischen Regierung könnte zu einem Ausfall der griechischen Banken führen – und auch anderer europäischer Banken. Es gäbe dann das große Risiko, dass die Krise sich auf andere Länder ausbreitet.

euronews:

Ist mit diesem Abkommen die Eurokrise überstanden?

Rodrigues:

Nach all diesen Gipfeln zur Eurokrise im vergangenen Jahr, denke ich, dass dieser Gipfel ein konsequenteres Reformpaket hervorgebracht hat. Ich denke, dass der Gipfel in dieser Hinsicht ein Wendepunkt war.