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Porträt eines Killers

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Porträt eines Killers

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Dieser Täter will Öffentlichkeit. Um jeden Preis.

Im Internet hinterlässt er diverse Fotos und Texte. Anders Behring Breivik,32 , hat in Oslo ein Handelsgymnasium besucht. Seine Eltern, Mutter Krankenschwester und Vater Diplomat, trennten sich, als er ein Jahr alt war. Über seine Kindheit bei der Mutter mit vier Halbschwestern schreibt er, er habe zu viele Freiheiten gehabt.

Er hat sein “Manifest” ins Internet gestellt, mehr als 1500 Seiten lang. Darin gibt er sich als Kreuzritter, der Europa vor dem “Kulturmaxismus” retten wolle. Zitat: “Die Zeit für Dialog ist vorbei….Jetzt ist die Zeit für bewaffneten Widerstand gekommen.”

Und einzig dafür hat er sich im Handelsregister als Biobauer eintragen lassen – um ohne Verdacht zu erregen tonnenweise Kunstdünger kaufen zu können, aus dem er Sprengstoff machte. Neun Jahre lang habe er den Anschlag geplant, sagte er im ersten Verhör bei der Polizei.

Um an Waffen zu kommen, trat er in Oslo einem Schützenklub bei.

Einem Foto präsentiert er sich mit dem Aufnäher “Marxisten-Jäger Norwegen – Erlaubnis zur Jagd auf Multi-Kulti-Verräter”.

Von 1999 bis 2006 war er eingeschriebenes Mitglied der rechts-populistischen “Fortschrittspartei”, die nach den Parlamentswahlen 2009 mit 40 Sitzen die zweitstärkste Fraktion im Storting stellt.

Ihr Anhänger Breivik schreibt von “Multi-kulturalisten, die eine anti-europäische Hassideologie vertreten.”

Richtig ernstgenommen hat man in Norwegen solchen Tendenzen bisher kaum. Noch am Samstag sagte Ministerpräsident Jens Stoltenberg,

verglichen mit anderen Ländern habe man in Norwegen kein großen rechts-extremes Problem.

Im reichen Norwegen kommen auf die 5 Millionen Norweger etwa 500.000 Einwanderer. Also nur 10 Prozent. Die Arbeitslosigkeit lieg bei beneidenswerten 3 Prozent. Trotzdem sagten in einer Umfrage im Juni mehr als 53 Prozent der Befragten, mit der Einwanderung müsse Schluß sein. Vier Jahre zuvor vertraten rund sieben Prozent weniger diese Ansicht.

Französischer Forscher kommentiert Oslo-Attentat
 
Sebastian Miraglia ist Forscher am Norwegischen Institut for Defence Studies. Sebastian Miraglia, warum diese neue Form des Terrorismus in einem Land des Wohlstands und Friedens?
 
Sebastian Miraglia: Obwohl es zu früh ist, um endgültige Schlüsse zu ziehen ist, dieser Akt der Gewalt passt nicht zu den sozio-ökonomischen Bedingungen in Norwegen. Die sind ausgezeichnet. Die Wurzeln sind eher in der Psychologie Breiviks zu suchen. Deshalb hat er das Manifest und Internet-Video veröffentlicht.
 
euronews: Können die norwegischen Sicherheitsbehörden Schuld haben, weil sie sich auf die islamistische Bedrohung konzentriert und andere Extremisten unterschätzt haben?
 
Sebastian Miraglia: Sie sollten zwei Dinge wissen: erstens die islamistische Bedrohung in Norwegen war echt. Im vergangenen Jahr haben die Sicherheitsbehörden Versuch einer internationalen islamistischen Gruppe vereitelt. Diese Bedrohung kommt aus dem starken Engagement von Norwegen in Afghanistan und Libyen. Seien Sie sich bewusst, dass die Sicherheitsdienste die Bedrohung der norwegischen extremen Rechten als sehr gering einschätzen und die Prävention als eine Priorität betrachten. So wollten sie die Entwicklung zu größeren Bewegungen zu vermeiden, aber sie hielten die Bedrohung im Frühjahr 2011 gering, obwohl sie eine kleine Erhöhung des Risikos aufgrund der europäischen Wirtschafts-Krise und der Zunahme der Einwanderung nach Norwegen zur Kenntnis genommen haben.
 
euronews: Aber ist die extreme Recht eine ernste Bedrohung in Norwegen und darüber hinaus in den skandinavischen Ländern?
 
Sebastian Miraglia: In der Tat ist zu befürchten, dass Breiviks Manifest, eine ziemlich detaillierte Anleitung zur Begehung solcher Angriffe, kopiert werden kann. Deshalb ist die heutige Anhörung nicht öffentlich, um zu vermeiden, dass er Zugang zu den Medien bekommt und auch aus Angst es könnte mit möglichen Komplizen kodiert kommunizieren.
 
euronews: Er selbst wollte eine Anhörung, die der Öffentlichkeit zugänglich ist, nicht wahr?
 
Sebastian Miraglia: Es war eindeutig das Ziel seines Angriffs, ein öffentliches Forum zu haben. Er wollte es in seiner Uniform zu tun, seiner Marxistenjäger-Uniform, wie er sagte.
 
euronews: Können Sie uns sagen, wie die Norweger auf diese tragischen Ereignisse reagieren?
 
Sebastian Miraglia: Schock, Unverständnis und Emotion: So kann die Reaktion zusammengefaßt werden. Das wichtigste für die Norweger ist, sich zu vereinen und Diskussionen zu vermeiden, die als verfrüht oder unnötig angesehen werden. Zum Beispiel ist die Reaktionszeit der Polizei in den Medien diskutiert worden. Aber es wurde nicht zu einem Skandal. Die Argumente der Polizei, dass sie ihr Bestes tat und in Oslo beschäftigt war, werden derzeit auch von der Öffentlichkeit akzeptiert.