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Japan hinterfragt seine Atomkraftabhängigkeit

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Japan hinterfragt seine Atomkraftabhängigkeit

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Trotz der Atom-Katastrophe in Japan wird es nach Meinung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA international weiter steigenden Bedarf an Atomenergie geben. Das sagte Behörden-Chef Yukiya Amano bei seinem Besuch beim japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan. Amano wörtlich vor der Presse: “ Einige Länder wie zum Beispiel Deutschland, haben ihre Politik in Sachen Atomenergie neu gewichtet. Die meisten anderen Länder aber halten an der Meinung fest, dass sie Kernenergie brauchen, nicht zuletzt um den für Erderwärmung verantwortlichen CO-2-Ausstoß zu bekämpfen.”

Yukiya Amano besuchte auch das vom Tsunami zerstörte Atomkraftwerk von Fukushima. Dieses Unglück hat weltweit die Zweifel an der Sicherheit von AKWs verstärkt und auch in Japan zu einem gewissen Umdenken geführt. Der in Japan vorher so feste Glaube an die sichere Technik ist erschüttert.

Vor dem Fukushima-Unglück gab es in Japan 54 Reaktoren. Inzwischen sind nur noch 16 in Betrieb. Die Suche nach anderen Energieformen hat neue Ausmaße angenommen.

Vor dem Unglück wurden 30 % der in Japan genutzten Elektroenergie mit Atomkraft erzeugt. Es war schon im Gespräch, diesen Anteil bis 2030 auf 50 % zu erhöhen. Davon kann nun keine Rede mehr sein.

Anti-Atom-Kraft-Demonstrationen sind keine Seltenheit mehr. Nach einer Umfrage treten jetzt rund 70 Prozent der Japaner für einen Ausstieg aus der Atomkraft ein. Eine Haltung, die in höchsten politischen Kreisen ihren Widerhall findet.

Vor knapp zwei Wochen hatte Ministerpräsident Naoto Kan angekündigt, sein Land wolle “systematisch und in Etappen” aus der Atomkraft aussteigen. Ein Regierungssprecher hatte diese Aussage allerdings tags darauf mit den Worten relativiert, eine Gesellschaft ohne Atomkraft sei in Japan lediglich “eine Hoffnung für die ferne Zukunft.”

Diskutiert wird in Japan bereits der Entwurf für ein Gesetz, mit dem die Nutzung von erneuerbaren Energieformen angekurbelt werden soll.

Solch guten Vorsätzen steht allerdings die schwierige wirtschaftliche Lage des Landes gegenüber mit einer Verschuldung doppelt so hoch wie das Brutto-Inlands-Produkt.