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Aud welchem Nährboden wächst Gewalt?

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Aud welchem Nährboden wächst Gewalt?

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Nach dem Massaker in Norwegen stellen sich viele Menschen die Frage: Auf welchem Nährboden gedeihen solche Vorstellungen? Die Polizei hat die Gefahr, die von diesem Mann ausging, nicht gesehen. Die Mitarbeiter vom “Searchlight Magazine” , einer internationalen anti-faschistischen Organisation, beobachten die extrem-rechte Szene schon länger. Nick Lowes, einer ihrer Aktivisten, sagt: “ Er war mit Leuten in Kontakt. Er hing bestimmten Gruppen an. Er war in einem schwedischen Nazi-Forum, er hatte Kontakt zur “English Defence League” und zur Defence League in Norwegen. Man kann immer sagen, es sei unmöglich, vorauszusehen, was aus solchen Leuten wird. Ich glaube, es ist vorhersehbar.”

Rechts-extremes Gedankengut existiert quer durch Europa. Fremdenfeindliche Parteien sitzen in Parlamenten, wie in Belgien “Vlaams belang”.

Einer ihrer gewählten Volksvertreter, Tanguy Veys, bekam das Manifest von Breivik per e-mail. Er sagt:

“Ich hatte niemals Kontakt zu ihm oder zu Leuten wie ihm, oder entsprechenden organisationen. Es war die erste Mail, die ich von ihm bekam. Ich habe mir das angesehen, sein Manifest und habe seine Intentionen zu spät erkannt. Ich bin Politiker der rechts-konservativen Partei “Vlaams belang”.

Wir vertreten gegenüber dem Islam einen deutlichen Standpunkt. Aber wir haben uns nie für Gewalt ausgesprochen, nie dafür, das Recht in die eigenen Hände zu nehmen.”

In diesem Zusammenhang wird natürlich auch auf Geert Wilders geschaut und dessen islam-feindliche Partei in den Niederlanden. Im Juni erst sprach ihn ein Gericht von dem Vorwurf frei, zum Hass aufgehetzt zu haben. Ein Interview mit euronews lehnte Wilders ab.

Also lassen wir den Publizisten Bart-Jan Spruyt zu Wort kommen, der über Wilders spricht: “Wilders muss erklären, warum er diese apokalyptische Atmosphäre geschaffen hat im Sinne von: es ist Krieg, Politik sagt uns nichts mehr, weil sie keine Lösungen hat. Es ist Fünf vor Zwölf, wir müssen jetzt handeln – das ist ein Szenario wie ein Krieg zwischen GUT und BÖSE. Und so etwas hatte dieser Breivik im Kopf. Ich denke, Wilders muss sich davon distanzieren, von dem Bild, das er geschaffen hat. Er muss sagen: Politik ist wichtig.”

Bei der Polemik um gescheiterte multikulturelle Ansätze sind auch die klassischen konservativen Parteien gefragt. Im Oktober 2010 sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel vor Vertretern der “Jungen Union”, der Jugendorganisation ihrer Partei:

“Wir sind ein Land, das in den 60er Jahren die Gastarbeiter nach deutschland geholt hat. Und jetzt leben sie bei uns. Wir haben uns eine Weile in die Tasche gelogen, wir haben gesagt, die werden schon nicht bleiben, irgendwann werden sie weg sein. Das ist nicht die Realität. Und natürlich war der Ansatz zu sagen, jetzt machen wir hier mal Multi-Kulti, jetzt leben wie so nebeneinander her und freuen uns übereinander. Dieser Ansatz ist gescheitert. Absolut gescheitert.”

Diese Polemik zeigt die ganze Hilflosigkeit europäischer Gesellschaften. Wie man das in der Türkei sieht, erklärt gegenüber euronews der Brüsseler Korrespondent der türkischen Zeitung “Zaman”, Selcuk Gültasli: “ Um den Aufstieg von rechtsextremen Parteien zu verhindern haben die Rechtskonservativen sich deren Themen angeeignet. Das ist sehr gefährlich. Wenn die Mitte-Rechts-Parteien so weitermachen, diese Ideen, diese Denkweisen übernehmen, die für einen isolierten Blick auf die Realität stehen, dann erscheint so eine Sichtweise am Ende für die Allgemeinheit als das Normale. Frau Merkel hat eine Debatte über Multi-Kulti angefangen und gesagt, Multi-Kulti sei gescheitert. Danach haben Sarkozy und Cameron das Gleiche gesagt. Wenn man nun sagt, dass die Debatten über Multikulturalität fehlgeschlagen sind, dann hat man damit wohl zuerst uns im Sinn, die Muslime.”