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Wirtschaftsjournalist Dan Arnell: "Wachstum könnte ein schwächerer Dollar bringen."

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Wirtschaftsjournalist Dan Arnell: "Wachstum könnte ein schwächerer Dollar bringen."

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Aus New York ist uns Dan Arnell zugeschaltet, Wirtschaftsjournalist bei ABC News.

Wir haben eine Menge über die “drohende Katastrophe” gehört, darüber, dass die USA ihre Schulden nicht mehr zahlen können.Wie ist das Land in diese Lage geraten?

Dan Arnell

Es hat jahrzehntelanges finanzielles Missmanagement gegeben und Verantwortungslosigkeit. Ich denke, das sagen viele einfache Amerikaner. Wir haben erlebt, wie die letzten zwei Regierungen mit Staatsgeldern Kriege finanziert haben. Wir haben zu Beginn der Bush-Jahre erlebt, wie in großem Ausmaß Steuern gesenkt wurden als Mittel gegen die Rezession von 2001. Und wir haben gesehen, wie die Obama-Regierung als Mittel gegen die Rezession auf eine aggressive Ausgabenpolitik gesetzt hat, Ausgaben vorgezogen, um die Wirtschaft zu stimulieren.

Das hat nicht so funktioniert wie erhofft. Es hat zu einer Menge Schulden geführt. Darum denke ich, dass die einfachen Amerikaner heute den Regierenden in Washington Verantwortungslosigkeit vorwerfen. Sowohl bei Ausgaben wie bei Einnahmen.

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Gibt es schnelle Hilfe oder ist die amerikanische Wirtschaft wirklich krank?

Dan Arnell

Ich denke, wir stecken wirklich fest in einer verfahrenen Lage. Es gibt Wirtschaftsbereiche, bei denen die Profite in den vergangenen anderthalb Jahren kräftig in die Höhe gegangen sind.

Das Problem besteht aber darin, dass die Firmen trotzdem sehr zurückhaltend sind beim Einstellen von Arbeitskräften. Und damit werden die Amerikaner nicht wieder soviel konsumieren, wie einige Fachleute vorausgesagt hatten.

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Die Leute haben Angst um ihre Jobs, die Arbeitslosigkeit ist extem hoch…

Dan Arnell

Wir erwarten für Freitag den Arbeitsmarktbericht für Juli. Er könnte etwas besser ausfallen als der wirklich enttäuschende Bericht vom Juni. Doch selbst wenn die Unternehmen in einem Monat etwa hunderttausend Leute neu eingestellt haben ist das nicht genug, um die Arbeitslosenrate vor den für November 2012 anstehenden Wahlen wirklich herunter zu drücken. Das dürfte jetzt das Problem der einfachen Leute sein und es hat eine Menge mit Konsumverhalten zu tun. Wenn nicht zu sehen ist, dass mehr Leute Arbeit haben, dann wird auch nicht mehr Geld ausgegeben, nicht soviel, dass damit die Wirtschaft einen kräftigen Impuls bekommen könnte.

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Wie wirkt sich das weltweit aus? Wie groß ist das Risiko der USA, dem Druck von aufstrebenden Märkten ausgesetzt zu sein, China und Indien zum Beispiel.

Dan Arnell

Leute halten Ausschau nach Anlagemöglichkeit in Wachtumsmärkten. Wenn man als Investor nach Wachstum schaut – und davon reden die Analysten -dann legen die Leute ihr Geld natürlich in jenen Bereichen der Weltwirtschaft an, die nach dem schnellsten Wachstum aussehen. Die USA könnten im nächsten Jahr einen Anstoß erleben, der aus der Währungsfluktuation kommt. Je schwächer der Dollar wird, um so mehr Jobs in der verarbeitenden Industrie kehren ins Land zurück, Jobs, die wir hier seit Jahren nicht mehr hatten. Das könnte sich langfristig als positiv für das US-Wachstum erweisen.