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Manoj Ladwa: "Eine mittelfristige Lösung für ein langfristiges Problem"

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Manoj Ladwa: "Eine mittelfristige Lösung für ein langfristiges Problem"

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Der Schuldenstreit in den USA ist beigelegt – wenigstens vorerst. Aber wie nachhaltig ist diese Einigung tatsächlich? Das wollte euronews-Journalist Alasdair Sandford von Manoj Ladwa von ETX Capital in London wissen.

euronews:

Nach der Einigung im Schuldenstreit klopft man sich in den USA erleichtert auf die Schulter. Aber stimmt die Rechnung Ihrer Meinung nach?

Manoj Ladwa:

Die Rechnung stimmt, aber das ist nur eine von vielen Hürden, die die USA überwinden müssen. Es hätte gar nicht erst zu dieser Situation kommen dürfen. In der Vergangenheit wurden Schuldengrenzen immer wieder durchbrochen und erhöht. Tatsächlich wurde die Schuldengrenze in den vergangenen 50 Jahren rund 70 mal heraufgesetzt. Es ist ein kritischer Moment für die US-Wirtschaft, in dem die Möglichkeit einer Herabstufung durch die Ratingagenturen sehr real wird. Die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt letzte Woche waren schwach. Es gibt also einige Faktoren, die man genau beobachten muss.

euronews:

Sind das kurzfristige Faktoren oder geht es um langfristige Probleme der US-Wirtschaft?

Manoj Ladwa:

Wir haben gesehen, was in den vergangenen Jahren passiert ist, vor allem hinsichtlich der Bankenkrise und der Kreditklemme und des darauf folgenden stimulierenden Ausgabenpakets. Aber das alles war nicht genug, um die Wirtschaft zum Wachsen zu bringen. Die US-Notenbank kann weiter Geld in den Markt pumpen, aber es sieht so aus, als müsse sie sich zurückziehen, vielleicht ist ein Rückfall in die Rezession notwendig, bevor man den Weg aus der Krise findet. Es sieht nach einer langfristigen Situation aus und die kommenden ein oder zwei Jahre werden schwierig für die US-Wirtschaft.

euronews:

Was wären die Konsequenzen einer Herabstufung?

Manoj Ladwa:

Für die USA wären sie schwerwiegend, denn plötzlich würden die Gläubiger, also Banken, Unternehmen, Finanzinstitutionen und auch reiche Einzelpersonen, erkennen, dass der Wert ihrer Anleihen abnimmt. Dann könnten sie einige dieser Papiere auf dem freien Markt verkaufen. Das hätte Auswirkungen auf den Finanzsektor und den Immobiliensektor. Und wir dürfen nicht vergessen, dass ein großer Teil der US-Bonds, fast 50 Prozent, von ausländischen Investoren gehalten wird. China ist einer der größten Anleger und wenn man dort sieht, dass der Wert der Papiere rapide sinkt, könnte man beginnen, diese zu verkaufen, was wiederum ein weiteres Abrutschen begünstigen würde.

euronews:

Was sollten Anleger mit Blick auf die USA jetzt also tun?

Manoj Ladwa:

Die USA brauchen ganz sicher kein weiteres stimulierendes Ausgabenpaket, denn das würde die Schulden des Landes erhöhen. Für die Wirtschaft wäre es am besten, wenn die Exporte zunähmen und die Arbeitslosigkeit zurückginge. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 9,2 Prozent und dort scheint sie festgefroren, sie will einfach nicht sinken. Nötig sind also neue Jobs, nötig ist es, dass die Wirtschaft wächst und floriert und das wäre ein Weg aus dieser möglichen doppelten Rezession.

euronews:

Wenn Sie also diese Einigung bewerten, würden Sie sagen, die USA beginnen, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen, oder haben sie die Probleme nur kurzfristig verschoben?

Manoj Ladwa:

Genau das ist passiert. Es ist eine Zwei-Jahres-Lösung, um zu verhindern, dass gleich nach den Präsidentschaftswahlen wieder an der Schuldengrenze gekratzt wird. Eine mittelfristige Lösung für ein langfristiges Problem. Am Ende müssen die USA ihren Haushalt in Ordnung bringen und das Schuldenniveau senken. Aber leider glaube ich nicht, dass das in naher Zukunft geschieht.