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Britain burning???

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Britain burning???

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Brennt schon die Insel? In Großbritannien Großstädten trauen sich die Leute kaum noch ins Bett, so oft wurden sie in den vergangenen Nächten von Bränden aufgeschreckt. Der Funke, der solche Großbrände auflodern liess, war wie so oft eine tödliche endende Polizeimaßnahme.

Und schon mischen sich spontane Wut, sozialer Druck und kriminelle Energie.

Die Briten erinnert das an Brixton vor 30 Jahren.

Auch damals war der Tod eines Jugendlichen der Auslöser. Es gibt ein Lied aus jener Zeit, “guns of Brixton” , darin heissr es:

“Wenn sie deine Haustür eintreten

Wie würdest du reagieren?

Mit den Händen über´m Kopf?

Oder mit dem Finger am Abzug deiner Knarre?

Wenn das Gesetz versagt –

Was tust dann Du?

Auf den Bürgersteig schießen

Oder in der Todeszelle warten?

Du kannst uns zerstören

Aber du wirst antworten müssen

Den Gewehren von Brixton

Das Geld fühlt sich gut an

Und dein Leben du magst es sehr

Aber auch deine Zeit wird kommen

Im Himmel wie in der Hölle “

Plündern und Brandschatzen ist 30 Jahre später wieder einmal an der Tagesordnung. Mittelständische Existenzen verbrennen über Nacht.

Und die Staatsmacht kann sich nicht entscheiden –

Wasserwerfer gegen Randalierer? Das wäre ein Tabubruch im Königreich, Wasserwerfer wurden bisher nur in Nordirland eingesetzt.

Hören wir also auf “Volkes Stimme”

, drei Farbige Bürger, auf der Straße befragt:

“Das ist ein Hilferuf, weil die Polizei die Leute grundlos schickaniert.”

“Wir wollen gehört werden, wollen Gerechtigkeit, wir wollen auch ein Stück vom Kuchen.

Wir hier in Brixton haben die Schnauze voll.

Gewalt finde ich nicht gut, aber wir haben die Schnauze voll.”

“Bist du mit deinem Leben glücklich? Mit immer weniger Lohn, von dem du nicht mal mehr dein Haus abzahlen kannst?”

Politiker, soweit sie sich jetzt überhaupt in die “heißen Viertel” wagen, kommen mit Gesprächsangeboten viel zu spät.

Es gibt da den sogenannten “ Gini-Index”, ein statistisches Maß, das vom italienischen Statistiker Corrado Gini zur Darstellung von Ungleichverteilungen entwickelt wurde

Der belegt, was ohnehin sichtbar ist: Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer.

Die allgemeine britische Arbeitslosenrate beträgt 7,9% – bei Jugendlichen aber mehr als 20%.

Die Labour-Abgeordnete Diane Abott sieht bei allen Gründen für Gewaltausbrüche ökonomische Zusammenhänge. Wenn bei Bildung gespart wird, bei Hilfe für Arbeitslose, dann geraten ganze Gemeinschaften unter Druck.

Und wo Druck nicht in menschenwürdiger Weise abgebaut werden kann – da entläd er sich immer wieder in Gewalt.