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Fahren Sie nach London, solange es noch brennt

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Fahren Sie nach London, solange es noch brennt

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“London brennt”, “Anarchie in England” oder “Fahrt in die Hölle” – mit solchen Schlagzeilen wollte die britische Hauptstadt eigentlich ein Jahr vor den Olympischen Spielen nicht auf sich aufmerksam machen.

Die Tourismusindustrie ist besonders am Zittern, denn jeder 12. Brite arbeitet hier, und schon jetzt hat viele Touristen die Lust und der Mut verlassen.

Elishama Atias betreibt ein Reisebüro in Jerusalem und ist auf Trips in die britische Hauptstadt spezialisiert. Er sagt: “Die Tendenz ist negativ. Londonreisen haben einen ganz bitteren Beigeschmack. 20 bis 30 Prozent unserer Kunden haben schon storniert.”

So mancher hat es sich aber nun mal in den Kopf gesetzt, ausgerechnet jetzt Big Ben und Co. zu besichtigen. Die 17-jährige Mashal Lakani erklärt:

“Viele Leute haben uns gesagt, fahrt ja nicht nach London. Aber wir wollten unbedingt hierher. Es ist ja nur nachts gefährlich. Und morgen fliegen wir wieder nach Hause in die USA.”

Für Patricia Yates vom Ministerium für Tourismus ist alles halb so wild. Sie meint: “Natürlich ist uns das nicht recht, dass Großbritannien im Ausland schlecht dargestellt wird, aber die Leute müssen sich doch über eines im Klaren sein, als London-Tourist kommt man doch gar nicht in die Viertel, in denen es knallt. Was da abgeht, sehen doch die Touristen nicht.”

Stimmt nicht ganz, denn Übergriffe wurden auch aus touristischen Vierteln Londons gemeldet. Das Auswärtige Amt in Berlin rät übrigens den Deutschen, sie sollten ihr “Verhalten vorort entsprechend anpassen”. Also mitrandalieren?