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Berliner Mauerbau vor 50 Jahren

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Berliner Mauerbau vor 50 Jahren

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In der Nacht zum 13. August 1961 wurde rund um Westberlin mit dem Bau einer Mauer begonnen. Teilweise mitten durch die Stadt. Straßen wurden getrennt und Nahnverbindungen. Am Ende war die Mauer 4 Meter hoch und 155 Kilometer lang. Sie wurde zu einer der am schärfsten bewachten Grenzen der Welt ausgebaut mit Postentürmen und Stacheldraht. Eine Mauer, an der in den kommenden 28 Jahren mindestens 136 Menschen starben.

Warum???

1961 – da wetteiferten in Europa zwei Systeme.

Als Folge des II.Weltkrieges hatte die Sowjetunion ihre Einflußspäre auf Osteuropa ausdehnen können.

Aber mitten in ihrem ostdeutschen Einflußgebiet, der Deutschen Demokratischen Republik, lag ein Stück Westen – Westberlin – auch das Folge des II.Weltkrieges. Im Propagandajargon jener Jahre wurde Westberlin auch der “Pfahl im Fleische der DDR” genannt.

Während alle anderen Grenzen zwischen westlichen und kommunistischen Staaten in Europa scharf bewacht waren, brauchte man in Berlin nur die Straße zu überqueren oder in die S-Bahn zu steigen.

Auf diese Weise verließen innerhalb von 12 Jahren – von der Gründung der DDR im Oktober bis zum August 1961 – rund 3 Millionen Menschen den ost-deutschen Staat. Das waren mehr als 16 Prozent der Bevölkerung. In einer Zeit, als jede Hand zur Aufbauarbeit gebraucht wurde.

In Westberlin wurde extra ein Flüchtlingslager eingerichtet, um die Weiterreise der Flüchtlinge aus dem Osten in die Bundesrepublik zu organisieren.

In einem einem westdeutschen Fernsehbericht kurz nach dem Mauerbau hiess es: “…. die Zone blutet aus . Der steigende Mangel an Arbeitskräften verschärfte die Krise der mitteldeutschen Wirtschaft und Chruschtschow drohte, ich werde das Schlupfloch Berlin verstopfen.”

Nikita Chruschtschow – Erster Sekretär des ZK der KPdSU und Ministerpräsident der UdSSR, war der starke Mann im Kreml und damit 1961 der Gegenspieler des jungen John F.Kennedy, der gerade in Washington Präsident geworden war.

Kennedy hatte im April 1961 eine Niederlage erlitten. Sein Versuch, die Rebellen des Fidel Castro mit einer schnellen militärischen Aktion wieder aus Kuba zu vertreiben, war kläglich gescheitert.

Dadurch ermuntert versuchte Chruschtschow bei einem Gipfeltreffen der Führer der beiden Supermächte im Juni in Wien, Kennedy auch in Sachen Westberlin unter Druck zu setzen.

Doch Kennedy gab nicht nach – also erteilte Chruschtschow im Juni seinen ost-deutschen Genossen den Befehl, Westberlin “einzumauern” .

Erst in den letzten Jahren für Historiker zugängliche Dokumente aus Moskauer Archiven belegen, was viele vermutet hatten: Die damalige SED-Führung unter Walter Ulbricht hatte den Mauerbau zwar vorbereitet und in kurzer Zeit organisiert – aber nicht in eigener Verantwortung. Das letzte Wort hatte der Kreml-Chef.

Während in Westdeutschland die Empörung groß war und viele bundesdeursche Politiker sich demonstrativ an der Mauer zeigten, reagierte Kennedy pragmatisch. Am 14. August sagte er: “It´s not a very nice solution, but a wall is a hell of lot better than a war.”. Zu übersetzen mit:

- Es ist keine schöne Lösung, aber immer noch besser als Krieg.-

Dabei sah es im nunmehr geteilten Berlin reichlich kriegerisch aus. Besonders an der Straßenkreuzung Friedrichstraße-Zimmerstraße, an einem Ort, der als “Checkpoint Charly” in die Geschichte eingehen sollte. Im Oktober fuhren hier amerikanische und sowjetische Panzer aufeinander zu.

In der Menge auf westlicher Seite stand auch der damals 15jährige Peter Steinmann. Er organisiert heute historische Stadtführungen und sagt zu seinen Erinnerungen: “Die älteren Leute sprachen immer von Krieg, von der Angst vor dem Krieg ….das verschärfte sich im Oktober…..alle Alliiierten konnten mit ihren Familien ohne Vorzeigen eines Personaldokimentes die Grenze passieren. Das war natürlich nicht im Sinne Ost-Berlins, wenn jetzt eine Amerikaner mit seiner Familie kam, dann wussten die Kontrolleure nicht, ob es wirklich seine Familie war oder ob der womöglich Leute aus dem Ostteil herausbringt. Also Fluchthilfe macht.”

Die spektakulärsten Fluchten in den Westen gab es in der Bernauer Straße. Denn dort standen die Häuser auf der Ostseite – der Bürgersteig davor war aber schon Westen. Die Westberliner Feuerwehr war tagelang mit einsatzbereiten Sprungtüchern in der Bernauer Straße präsent, um die Menschen aufzufangen, die einfach aus dem Fenster sprangen.

Diese Häuser mit den Fenstern, aus denen vor 50 Jahren Menschen von Ost nach West gesprungen sind, sucht man heute vergebens. Auf der Ostseite der Bernauer Straße zwischen Ackerstraße und Brunnenstraße fehlt die gesamte vordere Häuserreihe. Hier liessen die DDR-Behörden alles abreissen, um die Grenze besser überwachen zu können.

An dieser Stelle steht heute die Mauergedenkstätte.

In der Bernauer Straße – da wo die Mauer stand -findet man heute auch eine ungewöhnliche Kirche. ohne Turm. Ihr Name : “Versöhnungskirche”.

Für Birgit Steinmann ist es ein besonderer Ort. Sie erzählt: “Ich bin hier im Frühjahr 1950 getauft worden. 1985 wurde die Kirche noch gesprengt, was sehr traurig war. Genau vor der Kirche stand die Mauer. Und rechts und links davon die Häuser, wo die Leute aus den Fenstern gesprungen sind.”

Auf der Westseite der Bernauer Straße steht immer noch so ein Aussichtsturm, wie sie damals in Westberlin gebaut wurden, damit Besucher über die Mauer in den Osten schauen konnten.

Auch ein Stück Mauer ist geblieben, als Gedenkstätte. Die kann man heute besichtigen ebenso wie das offene Brandenburger Tor.