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Warum plündern wir?

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Warum plündern wir?

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Die Justiz wird in den nächsten Wochen reichlich zu tun bekommen. Die Politiker haben schließlich angekündigt, wer das Gesetz verletzt hat – und womöglich auch noch Personen, der wird zur Verantwortung gezogen. Zugegriffen hat in den Chaosnächten wohl auch manch einer, der von sich aus keine Scheibe einschlagen würde. In der Masse sinkt die Hemmschwelle – auch für kriminelle Taten.

Die Gesichter verhüllt – geben einige Plünderer Auskunft: Der erste sagt: “ Ich habe das vor allem für meine Familie gemacht. Habe ein paar Sachen für meinen Sohn herangeschafft und für mich, Klamotten, Turnschuhe. Für meinen Sohn Babykleidung, Windeln, Puder , eben eine richtige Babyausstattung.”

Der nächste gibt sich besonders cool: “ Hab´ein paar Fernseher abgegriffen, Plasma, dazu Laptops und anderes Zeug. Ist doch Klasse, mal alles umsonst zu kriegen. Zwei Tausender in einer Woche, das war Klasse, ein guter Schnitt.”

“Macht kaputt, was euch kaputt macht”, sang eine deutsche Polit-Rock-Band vor 40 Jahren. Sind 20 % Jugendarbeitslosigkeit in Großbritannien so ein Motiv? Oder warum sonst haben sie geplündert?

Einer der Vermummten sagt, er findet es in Ordnung, normal eben. Und sein Kumpel, der sein Gesicht auch nicht zeigen will, fühlt sich, als sei Weihnachten diesmal früher, weil er einen Plasma-Fernseher nach Hause geschleppt hat.

Und die Geschäftsleute, deren Existenzen in wenigen Stunden zerstört wurden?

Geplündert und zerschlagen wurden keineswegs nur große Konsumtempel – viele kleine Familienbetriebe stehen jetzt vor dem AUS:

Im Schutze der Anonymität begründet der nächste Plündern damit, dass schließlich ordentlich aussehen müsse, wenn er sich auf Arbeitssuche mache. So korrekt wie möglich, mit guten Schuhen, wolle er losgehen, wenn er seine Bewerbung präsentiere. Dann spreche er auch ganz höflich. Aber trotzdem nehme ihn keiner zur Kenntnis. Darum habe er jetzt mal anders gehandelt.

Unter den vermummten Plünderern findet sich dann auch noch einer mit politischen Motiven. Er spricht von der fehlenden Zukunft für Jugendliche, weil die Regierung immer nur den Reichen helfe.

“Wir haben das hier nicht zum Spaß gemacht sondern um an Geld zu kommen zum Überleben. Und es wird nicht aufhören, bevor die Regierung uns nicht hilft.”

Die großen Versicherungen haben schon ihre ersten Schadensschätzungen bereit: Umgerechnet 220 Millionen Euro. Die Regierung hält sich mit ihrer Aufrechnung der Kosten für angekündigte Maßnahmen zwar noch bedeckt. Einige Zeitungen verbreiten bereits, umgerechnet 70 Millionen Euro werden die die Steuerzahler kosten.