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Wer zahlt für das katholische Jugendtreffen in Spanien?

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Wer zahlt für das katholische Jugendtreffen in Spanien?

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Junge Leute, gut gelaunt, freuen sich auf ein paar Tage voller Gemeinschaftserlebnisse. Sie verbindet ihre Religion, der Katholizismus. Diese bestens organisierte Weltkirche veranstaltet alle zwei bis drei Jahre ein Welttreffen der katholischen Jugend. Diesmal in Spanien. Solche Großveranstaltungen mit fast einer halben Million Teilnehmer haben ihren Preis. Auch wenn viele Freiwillige ohne Bezahlung an der Organisation mitarbeiten, etwa beim Packen der Rucksäcke für jeden Teilnehmer mit Informationen sowie Tickets für Essen und Unterkunft.

Insgesamt werden die Veranstaltungskosten mit 50 Millionen Euro angegeben – dazu kommen noch einmal 100 Millionen an Begleitkosten für den Staat, der bei solch gigantischen Menschenansammlungen Sicherheit und Ordnung gewährleisten muss. Die Organisatoren sagen, 70 % der Veranstaltungskosten bringen die Teilnehmer selber auf, den Rest zahlen Sponsoren. Die können 90 % ihres Beitrages von der Steuer absetzen. Die Teilnahmegebühr liegt zwischen 30 und 210 Euro. Nimmt man 100 Euro als Durchschnitt, dann kommen bei 450.000 Teilnehmern 45 Millionen Euro zusammen.

Den öffentlichen Nahverkehr können die Teilnehmer um 80% verbilligt nutzen. Das führt durchaus zu Konflikten mit Einwohnern von Madrid, die zur gleichen Zeit eine Verteuerung um 50% für ihre Bus- oder Metro-Tickets verkraften müssen.

Und als Steuerzahler müssen sie für den zusätzlichen Einsatz von rund 4.000 Polizisten und 600 Reinigungskräften pro Tag aufkommen.

Deren Kosten summieren sich unterm Strich auf rund 2,5 Millionen Euro. Dagegen rührt sich Widerstand. Luis Vega ist Präsident des Verbandes der Atheisten und Freidenker in Spanien. Die sind nicht damit einverstanden, sagt er, dass in ihrem laizistischen Land nicht-religiöse Bürger so enorme Kosten mittragen müssen, mit denen der Staat religiöse Veranstaltungen unterstützt.

Wie in anderen westlichen Industriestaaten auch geht in Spanien die Zahl der praktizierenden Katholiken zurück. 73% der Bevölkerung bezeichnen sich als katholisch, aber nur 13% als regelmäßige Kirchgänger. 24% bezeichnen sich als atheistisch. Unter jungen Leuten sogar 42%.

Die katholische Kirche in Spanien war eng mit der Franco-Diktatur verbunden. Bei der Trennung von Kirche und Staat in der Demokratie wünschen sich viele Bürger mehr Klarheit.