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Doch noch ein bisschen Sommer...?

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Doch noch ein bisschen Sommer...?

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Ende August scheint in weiten Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz wenigstens einige Tage lang doch noch richtig die Sonne. Hoch LIANE läßt die Temperaturen selbst in Berlin auf bis zu 34 Grad steigen – bevor vom Westen her schon wieder starke Gewitter und Regen aufkommen…

In weiten Teilen Europas – von den Urlaubsregionen im Süden abgesehen – hat der Sommer 2011 einen schlechten Ruf. Rudi Carrells “Wann wird’s mal wieder richtig Sommer” von 1975 ist aktueller denn je. Der französische Radiosender FRANCE INFO spricht von einem “juillet automnale”, einem herbstlichen Juli.

Nur die Anbieter von LAST-MINUTE-Reisen können sich freuen. Das größte europäische Unternehmen der Branche, die TUI-Tochter L’Tur, verzeichnet 20 Prozent mehr kurzfristige Buchungen als im vergangenen Jahr. Auch Thomas Cook berichtet von einer höheren Nachfrage für August und September, die Türkei und Spanien sind so gut wie ausgebucht: Viele haben die Nase voll im schlechten Wetter und fliehen in wärmere Gefilde.

Besonders gefrustet in diesem Jahr sind die Camping-Urlauber. “Echte Camper sitzen das aus”, titelt die WAZ zum nassen Sommer in Südwestfalen und berichtet von Jugendlichen aus Leverkusen, die ihre Klamotten nach der Nacht im durchnässten Zelt bei Burger King trocknen. Der Campingplatzbetreiber in Olpe bietet ein Programm an, das an die Weihnachtszeit erinnert: Salzteig- und Kekse-Backen.

Auch auf den französischen Campingplätzen an der in diesem Sommer verregneten Atlantikküste werden Waffeln und Crêpes verkauft statt Eis und kalten Getränken. In Castres bei Carcassone im Südwesten Frankreichs gibt es japanische Massagen und Karaoke, wenn die Temperaturen nur Unerschrockene ins Freibad locken.

Dabei ist der Camping-Urlaub in Krisenzeiten im Aufwind. Mehr und mehr Familien können sich keinen teuren Urlaub mehr leisten. Ein Kurztrip ins Erlebnisbad oder in den Freizeitpark soll den Kindern die schöne Erinnerung an die großen Ferien sichern. Im deutschsprachigen Raum sind Wellness und Erlebnisbad die Renner des Sommers. Doch auch Euro Disney und andere Freizeitparks sind vom Wetter abhängig. Wenn’s regnet, fällt der Ausflug in den Freizeitpark schon mal aus. Etwa die Hälfte der französischen Besucher von Euro Disney kommen aus Paris und der näheren Umgebung. So sagten die Tourismusexperten in Frankreich voraus, dass – trotz der hervorragenden Besucherzahlen in den sonnigen Frühlingsmonaten – 2011 sicher hinter den Rekordzahlen der Freizeitparks von 2010 zurückbleiben werde.

Vom schlechten Wetter profitiert haben nicht nur die Erlebnisbäder, sondern auch Museen und andere vor Regen geschützte Aktivitäten. So verzeichnen die Aquarien in Frankreich 20% mehr Besucher, im Aquarium von La Rochelle waren es sogar 30% mehr. Und in der Region Drôme südlich von Lyon, wo die Krokodilfarm um ihr Überleben kämpfte, stehen die Touristen nun Schlange wie bei Euro Disney. Das miese Sommerwetter hat “La Ferme aux crocodiles” gerettet. In dem 8.000 Quadratmeter großen Terrarium mit exotischem Klima südlich von Montélimar tummeln sich jetzt in den Sommermonaten so viele Touristen, dass der Direktor Samuel Martin die Hälfte seines Jahresumsatzes verzeichnen konnte. Wie er dem Radiosender Europe 1 erzählte, hofft er jeden Morgen auf noch mehr Regenwetter…