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Libyscher Ex-Minister: "Gaddafis Sohn Saif hat das Geld ins Ausland geschafft."

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Libyscher Ex-Minister: "Gaddafis Sohn Saif hat das Geld ins Ausland geschafft."

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Dieser Ex-Minister aus Libyen lebt jetzt in Paris.

Wie andere langjährige Parteigänger des allmächtigen Revolutionsführers Muamar Gaddafi hat sich auch der ehemalige Minister

Omar Fathi Ben Shatwan beizeiten abgesetzt.

In der Küstenstadt Misrata bestieg er im April mit seiner Familie ein Boot, das ihn und die seinen direkt in die EU brachte – auf die nur 20 Stunden entfernte Insel Malta.

Bei euronews spricht er nun über seine Zeit mit Gaddafi und über seine Sicht auf die Revoluttion.

euronews
Doktor Fathi, Sie waren mehrere Jahre Industrieminister, dann bis 2006 für zwei Jahre Energieminister.

Ihre Flucht über Malta nach Frankreich verlief geradezu filmreif. Warum sind Sie geflohen?

Ben Shatwan
Als die Revolution am 20. Februar begann, bin ich mit meiner Familie nach Misrata gefahren, das ist meine Geburtsstadt. Misrata schloß sich der Rebellion an und befreite sich selbst.

Nach 45 Tagen in der Stadt dachte ich, es sei besser, nach Malta zu gehen, was mir auch Freunde rieten. Von dort könnte ich mehr für die Revolution tun. Ich bin also nicht aus meinem Land geflohen, wie einige Medien schrieben.

euronews
Heute stellt sich die Frage, ob Sie alle, also Industrieminister Fahti Ben Shatwan, Justizminister Mustafa Abuljalil, Innenminister Abulfattah, nach der Revolution zu Dissidenten geworden sind. Warum haben Sie nicht früher an Widerstand gedacht?

Ben Shatwan
In Libyen herrschte ein gnadenloses Regime. Ein striktes Sicherheitssystem sorgte dafür, dass 30, 40 Jahre lang jede Opposition zwecklos war. Es blieb nur die Wahl, entweder zu fliehen oder in Libyen zu bleiben und seinem Land innerhalb des Regimes zu dienen.

euronews
Inzwischen sind die Leute auf die Straße gegangen, um Freiheit zu fordern, was Sie überrascht hat. Wären Sie als Politiker eventuell in der Lage gewesen, einen Wandel in Libyen zu bewirken? Warum hat die Opposition die NATO um Hilfe gebeten, wenn doch die Revolution bereits beschlossen hatte, sich selbst mit ihren eigenen Mitteln zu befreien?

Ben Shatwan
Wie Sie wissen, hat die Revolution friedlich begonnen. Aber dann schlug das Regime mit aller Härte zurück, mit einer nie gekannten Gewalt.
Die ganze Welt war von dieser unerhörten Gewalt überrascht. Und da waren es diese drei Länder, Frankreich, Großbritannien und die USA, die kamen, um das libysche Volk zu retten. Erinnern Sie sich an Benghazi, wo das Regime begann, die Stadt zu bombardieren und wenn die NATO nicht gekommen wäre, hätten sie 250.000 bis 500.000 Menschen getötet.

euronews
Einige Leute rügen die Opposition dafür, dass Sie den französischen Philosophen Bernard Henri Levi gebeten hat, nach Israel zu fahren und dort eine Botschaft des Übergangsrates zu überbringen. Sie rügen das, weil es eine Anerkennung Israels darstellt.

Ben Shatwan
Nein, das halte ich für Gerüchte. Ich kenne den Übergangsrat und seine Mitglieder, vor allem Sheikh Mustafa. Es ist unmöglich, dass er so etwas täte.

euronews
Wollen Sie damit sagen, dass Levi allein agiert hat, ohne Auftrag nach Israel gefahren ist?

Ben Shatwan
Ja. Ich denke, dass er mit seiner Israel-Tour alles miteinander vermischt hat. Ich bin zwar nicht Mitglied des Übergangsrates, aber ich kenne die Mitglieder. Vor allem für den Scheich wäre es unmöglich, so etwas zu tun.

euronews
Lassen Sie uns zu einem anderen Thema kommen, das die Libyer interessiert. Wir wissen, Libyen exportiert Erdöl, ist also ein reiches Land.
Sie waren nun Energieminister dieses Landes, wo ist denn das ganze Geld von Gaddafi hin?

Ben Shatwan
Um ehrlich zu sein, Fakt ist doch, dass Libyen in den vergangenen zehn Jahren einfach total korrupt war, seit sich Gaddafis Sohn Saif al-Islam mit allen Wirtschaftsangelegenheiten befasst hat. Die libysche Wirtschaft war in seinen Händen.
Die, die im Allgemeinen Volkskommitee arbeiten, haben ihre Anweisungen direkt von ihm erhalten.

euronews
Also trifft Vater Gaddafi selbst keine Schuld?

Ben Shatwan
Die Einzelheiten kenne ich nicht, aber aus Erfahrung und auch durch meine frühere Arbeit denke ich, dass Saif al-Islam für alle Geldtransfers verantwortlich ist und auch dafür, Geld illegal ins Ausland geschafft zu haben. Das ist das, was ich weiss.

euronews:
Wieviel Geld wurde so ins Ausland überwiesen? Können Sie da Zahlen nennen?

Ben Shatwan
Ganz ehrlich, die Leute sprechen darüber, sie nennen keine konkreten Zahlen. Aber mit Blick auf die Ölproduktion der vergangenen Jahre schätzen wir, dass es sich bei dem hinterzogenen Geld um 200 bis 250 Milliarden Dollar handelt muss.

euronews
Das wurde aus Libyen herausgeschafft?

Ben Shatwan
Diese Summen wurden transferiert unter dem Vorwand, es seien Investitionen.

euronews
Wie sehen Sie Libyens Zukunft? Naht das Ende von Gaddafi?

Ben Shatwan
Ich glaube, die Schlinge zieht sich immer enger zusammen. Inzwischen ist seine Bewegungsfreiheit auf einen Umkreis von 50 Kilometern beschränkt.
Ich denke, es gibt für ihn zwei Varianten.
Entweder er führt den Kampf weiter, was in Tripolis zu großen Verlusten an Menschen und Material führen wird. Oder er geht ins Exil, womit Tripolis gerettet wäre.

euronews
Wie sieht Ihre Vision von einem künftigen Libyen aus?

Ben Shetwan
Man muss erst einmal einen Plan ausarbeiten.
Auch der Übergangsrat muss in einem Plan die verschiedenen Etappen für die Revolution definieren.
Nach der Etappe der Befreiung folgt die Etappe des Übergangs und dann der Neuaufbau.

euronews
Und welche Rolle spielt dabei die NATO in Libyen ?

Ben Shatwan
Man darf nicht vergessen, dass die NATO mit einem Mandat des UN-Sicherheitsrates nach Libyen gekommen ist. Sie hilft dem libyschen Volk sehr. Ich glaube, ohne ihre Hilfe wäre die Zahl der Märtyrer noch viel höher. Ich muss sagen, dass Libyen sich in der Zukunft enger den arabischen Ländern anschließen muss und den NATO-Staaten, die dem libyschen Volk geholfen haben, hunderte von Menschenleben zu retten.

euronews
Stehen Sie für eine Aufgabe in der künftigen Regierung zur Verfügung?

Ben Shatwan
Ich habe beschlossen, in den Ruhestand zu treten und meine Memoiren zu schreiben, um so anderen zu helfen.