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Hauptquartier fällt - doch wo ist Gaddafi?

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Hauptquartier fällt - doch wo ist Gaddafi?

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Rebellen, die Gaddafis Symbole der Macht zerstören: Die libyschen Aufständischen am frühen Abend die Residenz Muammar al-Gaddafis in Tripolis erstürmt, das Hauptquartier des Diktators.

Doch wo er selbst sich aufhält, ist weiter unklar.

Hunderte von Kämpfern und Bewohnern drangen in die sechs Quadratkilometer große Anlage Bab al-Asisija vor, auf der sich zahlreiche Wohn- und Militärgebäude befinden. Nach den stundenlangen Gefechten trafen sie in der Residenz selbst offenbar auf wenig Widerstand. Sie feierten spontan ihren Sieg, plünderten Waffenkammern und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Wertsachen sollen sie jedoch kaum mitgenommen haben.

Ein NATO-Sprecher dementierte Berichte der Rebellen, das Bündnis habe die Offensive unterstützt. Die NATO fliege nur Angriffe auf Ziele, die eine Gefahr für Zivilisten darstellten. Angesichts des organisierten Vormarsches gehen Beobachter davon aus, dass westliche Spezialeinheiten eingeschleust wurden und die Aufständischen Rat und Training westlicher und arabischer Staaten erhielten, um den Fall von Tripolis zu beschleunigen.

Doch wo ist Gaddafi?

Der russische Chef des Weltschachverbandes, der im Juni mit dem Machthaber in Tripolis Schach gespielt hatte, teilte mit, er habe an diesem Dienstag mit Gaddafi telefoniert. Dieser habe ihm versichert, dass er wohlauf und in Tripolis sei und bis zum Ende kämpfen werde. Auch die Aufständischen vermuten Gaddafi in Tripolis oder der Umgebung.

Sie sollen Medienberichten zufolge auch den internationalen Flughafen in Tripolis und den Ölhafen Ras Lanuf im Osten des Landes unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Der Nationale Übergangsrat Lybiens bat bei der EU um internationale Unterstützung für die Vorbereitung von Wahlen. Der UN-Botschafter des Rates prophezeite, in etwa 72 Stunden sei ganz Libyen befreit.

Die Präsidenten der USA und Frankreichs wollen in Kürze eine internationale Konferenz für Libyen in Paris organisieren. Dort soll Hilfe für den Aufbau eines neuen, demokratischen und pluralistischen Staates organisiert werden.

Die USA kündigten an, in den kommenden Tagen bis zu 1,5 Milliarden Dollar aus eingefrorenen libyschen Guthaben für die Rebellen bereitzustellen. Deutschlands Außenminister stellte dem Übergangsrat das erste Geld aus einem Regierungsdarlehen von insgesamt 100 Millionen Euro in Aussicht. Auch Österreich will eingefrorene Gaddafi-Gelder für den Übergangsrat freigeben.