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Kampf um Tripolis: Rebellen dringen in Gaddafis Residenz ein

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Kampf um Tripolis: Rebellen dringen in Gaddafis Residenz ein

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Die libyschen Rebellen haben am Abend die Residenz von Muammar al-Gaddafi in Tripolis gestürmt. Gegen 18 Uhr hieß es, sie hielten etwa 70 Prozent der Anlage, in der sie Gaddafi vermuten, unter Kontrolle. Videos zeigten danach Aufständische, die zu Fuß auf dem Gelände voranschritten, ohne Widerstand brechen zu müssen. Einige Soldaten hätten sich dort ergeben, hieß es in Agenturberichten.  
 
In der Anlage Bab al-Asisija befinden sich Wohn- und militärische Gebäude, darunter soll ein ausgedehntes Bunkersystem liegen. Dort vermuteten die Rebellen Oberst Gaddafi.
 
Dieser hält sich einem russischen Funktionär zufolge tatsächlich in Tripolis auf: Der Chef des Weltschachverbandes teilte mit, er habe mit Muammar al-Gaddafi telefoniert. Dieser habe ihm erklärt, dass er wohlauf und gesund in Tripolis sei und nicht vorhabe, die Stadt zu verlassen. Er sei überzeugt, dass seine Truppen den Kampf gewinnen. Der Chef des Schachverbandes, Kirsan Iljumschinow, hatte erst im Juni in Tripolis mit Gaddafi Schach gespielt.
 
Auch in anderen Teilen der Stadt wurde heftig gekämpft. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton erklärte nach einem Gespräch mit dem Chef des Nationalen Übergangsrates von Libyen, dass die Rebellen inzwischen 80 Prozent der Hauptstadt unter ihrer Kontrolle hätten. Sie hätten außerdem um internationale Unterstützung bei der Vorbereitung von Wahlen gebeten. Mehr als dreißig Länder haben den Übergangsrat inzwischen als legitime Vertretung Libyens anerkannt.
  
Die Rebellen sollen auch den internationalen Flughafen eingenommen haben.
 
In den Krankenhäusern in Tripolis und Umgebung spitzt sich die Lage nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zu. Es fehle an Medikamenten und es gebe Probleme mit der Stromversorgung.
 
Bisher sind Schätzungen zufolge bei dem Kampf um Tripolis bis zu 2.000 Menschen getötet worden.