Eilmeldung

Eilmeldung

Libyscher Rebellenvertreter: "Wir werden eng mit Europa zusammenarbeiten"

Sie lesen gerade:

Libyscher Rebellenvertreter: "Wir werden eng mit Europa zusammenarbeiten"

Schriftgrösse Aa Aa

Wie geht es weiter mit Libyen? Was passiert, wenn Gaddafi von der Macht vertrieben ist und neue Herrscher das Land regieren? Was wird sich dann für Europa ändern? Euronews hat mit Mohammed Farhat vom libyschen Nationalen Übergangsrat über diese Fragen gesprochen. Farhat ist offizieller Vertreter der Aufständischen bei der EU in Brüssel.

Euronews: Wo ist Muammar al-Gaddafi?

Mohammed Farhat: Unseren Quellen zufolge ist Gaddafi immer noch in Libyen, wahrscheinlich im Westen des Landes. Man kann auch annehmen, dass er die Hauptstadt Tripolis nicht mal verlassen hat. In einer so außergewöhnlichen Lage wie der, die seit zwei Tagen in Tripolis herrscht, gibt es natürlich immer widersprüchliche Informationen. Jetzt, in dem Moment, in dem ich mit Ihnen spreche, ist es völlig unklar, ob Gaddafis Sohn Saif al-Islam geschnappt ist oder ob er entwischen konnte. Vielleicht wurde er auch gar nicht erst gefangen. Man sollte sich jetzt nicht zu sehr auf diese Informationen konzentrieren, die in Wirklichkeit nichts an der Tatsache ändern, dass Tripolis zu 90 Prozent von den Truppen des Übergangsrats kontrolliert wird.

Euronews: Verfügen Sie über die technischen und politischen Mittel, um Libyen zu regieren?

Mohammed Farhat: Ich glaube, dass der Nationale Übergangsrat es geschafft hat, die libysche Krise gut durch die vergangenen sechs Monate zu führen, und ich denke, er wird auch Erfolg dabei haben, den Staat nach Gaddafi wieder aufzubauen.

Euronews: Fürchten Sie einen Bürgerkrieg in Libyen?

Mohammed Farhat: Wir haben keine Anzeichen für einen Bürgerkrieg. Zum Glück gibt es keine religiösen Meinungsverschiedenheiten oder Probleme zwischen den verschiedenen libyschen Volksgruppen. Und das, obwohl das Gaddafi-Regime in den vergangenen Monaten immer wieder versucht hat, ganz verschiedene Konflikte zu säen und die einen Libyer gegen die anderen aufzuwiegeln. Aber das Volk hat seine Einigkeit bewiesen.

Euronews: Welche Rolle haben die Stämme?

Mohammed Farhat: Die Stämme haben angekündigt, die Revolution zu unterstützen.

Euronews: Befürchten sie Terroranschläge gegen die Ölhäfen und Raffinerien?

Mohammed Farhat: Wir erwarten Terrordrohungen von seiten der Gaddafi-Anhänger, die noch bewaffnet sind, auch, wenn ihre Zahl immer geringer wird. Wir treffen von seiten der Armee des Übergangsrats alle Maßnahmen, um die Ölanlagen zu sichern und die Produktion und den Export baldmöglich wieder aufnehmen zu können.

Euronews: Schauen wir auf das Verhältnis zum Westen. Wie wird Ihre Politik diesbezüglich aussehen und welchen Einfluss wird der Westen auf die Außenpolitik Libyens haben?

Mohammed Farhat: Ich denke, Libyen wird seiner Rolle in der arabischen Welt und auch als Mittelmeeranrainer gerecht werden. Wir werden alle Verträge respektieren und uns zum Beispiel beim Umweltschutz stark engagieren, oder auch im Kampf gegen illegale Einwanderung. Wir werden auch bei den erneuerbaren Energien eng mit Europa zusammenarbeiten, davon haben wir ja enorme Ressourcen in Libyen. Unsere Beziehungen mit Europa und dem Westen basieren auf den Prinzipien gegenseitigen Respekts und gemeinsamer Interessen.

Euronews: Stimmt der nationale Übergangsrat einer Präsenz der NATO auf libyschem Boden zu?

Mohammed Farhat: Wir haben dem schon während der Krise nicht zugestimmt, und jetzt sind wir in der Phase des Wiederaufbaus unseres Landes angelangt. Die bewaffneten Kräfte des Übergansgrates werden immer stärker und organisierter und wir entfernen uns mehr und mehr von der Vorstellung, dass wir noch ausländische Truppen auf unserem Boden benötigen.