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Leichen am Straßenrand: Ruhe nach dem Sturm in Abu Salim

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Leichen am Straßenrand: Ruhe nach dem Sturm in Abu Salim

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Nach den Gefechten der vergangenen Tage herrscht im letzten Rückzugsgebiet Gaddafis und seiner Getreuen in Tripolis Ruhe nach dem Sturm:

Tote säumen die Straßen im Stadtviertel Abu Salim, auch einfach Buslim genannt, das ganz in der Nähe von Gaddafis Hauptquartier Bab al-Asisija liegt.

Unser Reporter berichtet: “Hier in Abu Salim hatten sich viele Gaddafi-Soldaten verschanzt. Die Kämpfe haben die ganze Nacht über angedauert. Auch viele schwarzafrikanische Söldner haben hier ihr Leben vgelassen. Man kann noch die Sachen sehen, die die flüchtenden Soldaten liegenließen. Die, die nicht entkommen konnten, sind hier gestorben.”

Schon für die libyschen Verletzten ist die Lage schwierig, die Krankenhäuser sind an ihren Grenzen angelangt. Die schwarzafrikanischen Verwundeten laufen zudem immer Gefahr, als Gaddafis Söldner verdächtigt zu werden.

Er sei aus dem Tschad, gibt ein Patient im Krankenhaus von Abu Salim an. Auf die Frage, wie er hier im Krankenhaus zwischen all den Leichen ausharren könne, sagt er, er halte es aus, mit Hilfe Allahs. Und mit Hilfe der Ärzte. Es werde schon besser werden.

Das Krankenhaus in Abu Salim wurde bis vor kurzem von Gaddafi-Getreuen blockiert. Die Handvoll verbleibender Patienten wurde nun verlegt. Die Ärzte aus Abu Salim brächten die Patienten ins Zentralkrankenhaus von Tripolis, unterstützt vom Internationalen Roten Kreuz, erklärt eine Rot-Kreuz-Mitarbeiterin. Ob unter den Patienten auch Söldner seien – darüber habe sie keine Informationen.

Zurück bleiben etwa achtzig Tote und Leichengeruch. Sechs Tage lang sei das Krankenhaus von Gaddafis Männern blockiert worden, klagen Ärzte, Medikamente und Personal seien nicht hineingelangt – und mangels Versorgung seien die Patienten einer nach dem anderen gestorben.