Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Leila (19): Zum Töten gezwungen


Libyen

Leila (19): Zum Töten gezwungen

Euronews-Korrespondent Mustafa Bag ist vorort in Tripolis. Er hat die 19-jährige Leila interviewt.

Mustafa Bag schickte uns diesen Bericht:

Die Gaddafi-Soldaten haben das Zentrum verlassen. Hinter sich ließen sie Zerstörung und Tod. Unter den vielen Verletzten ist die 19-jährige Leila, die vor den Unruhen in einer Elite-Militärschule war. Jetzt muss sie sich für den Tod von sechzehn Rebellen verantworten.

Unter Gaddafi standen den Frauen auch Männerberufe offen. Gleichberechtigung schrieb der Herrscher, dessen Leibgarde rein weiblich war, groß. So kam es, dass die heute 19-jährige Leila eine Militärlaufbahn einschlagen und auf eine Eliteschule gehen konnte.

In dem Interview haben wir Leilas Gesicht aus Sicherheitsgründen unkenntlich gemacht. Ihren wirklichen Namen haben wir in Leila umgeändert.

Als die Aufständischen immer stärker wurden, kämpfte sie wie viele andere Schüler der Militärakademie auf der Seite der Gaddafi-Soldaten gegen die Rebellen. Noch vor wenigen Monaten konzentrierte sie sich auf ihre Studien und glaubte an ihre Karriere im Militär, im Militär Gaddafis. Auch in der Leibgarde des Herrschers zu dienen, wäre für sie vorstellbar gewesen. Stattdessen hat sie nun sechzehn Rebellen getötet und weiß nicht, wie es weiter gehen soll.

Leila spricht mit leiser Stimme. Sie sagt: “Die Gaddafi-Soldaten gaben mir eine Waffe in die Hand und dann brachten sie jeweils zwei Leute und stellten sie vor mich hin und sagten mir, dass ich sie töten müsse. Sie standen hinter mir und sagten, ich solle sie töten, sonst würden sie mich töten. Dann brachten sie noch mehr und stellten sie unter die Bäume und sagten zu mir, ich solle schießen. Ich habe geschossen. Ich drehte den Kopf weg, wenn ich schoss.”

Mustafa Bag fragt: “Wie fühlen Sie sich jetzt?”

Leila antwortet: “Mir tut das alles sehr leid. Ich bedaure, was ich getan habe.”

Und dann fragt der Korrespondent: “Wie haben die Gaddafi-Soldaten Sie behandelt?” Leila schweigt. Dann flüstert sie: “Nicht gut. Gar nicht gut.”

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

Nächster Artikel

welt

Versorgungsengpässe in Libyens Hauptstadt