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Pannenserie in Russlands Raumfahrt

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Pannenserie in Russlands Raumfahrt

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Was als Routinestart begann, endete als Disaster.

Ein unbemannter Raumfrachter vom Typ “Progess 12 M-12” sollte Kosmonautennahrung zur Besatzung des Internationalen Raumstation bringen. Die Sojus-Rakete hob ab – und stürzte dann ab. Im Altai-Gebirge musste der russische Katastrophenschutz ausrücken, um zwischen Bergen und Wäldern die weit verstreuten Reste einzusammeln. Daraufhin wurden bis zur Klärung der Ursache alle Sojus-Starts abgesagt. Auch die schon geplante Rückkehr der aktuellen ISS-Besatzung wurde erst einmal verschoben.

Planmäßig sollte am 22. September die Ablösung starten. Seit die US-Raumgleiter außer Dienst gestellt wurden, haben nur die Russen mit SOJUS die entsprechende Technologie. Der NASA-Manager Mike Suffredini beruhigt zwar: die Vorräte auf dem Außenposten der Menschheit reichen noch Monate.

Aber Íwan Moissejew, Direktor des Institutes für Weltraumpolitik in Moskau, sieht die Panne dramatischer. Sicher könne die Versorgung der ISS auch von Japan und Frankreich erledigt werden. Aber deren Raketen sind nicht auf so viele Starts ausgelegt, wie zu einer regulären Belieferung nötig wäre. Noch so ein Unfall – ob mit Sojus oder Progress – und man müsse die ISS aufgaben.

Untern alten sowjetischen Weltraumdenkmal in Moskau macht sich Panik breit. Die Pannen häufen sich in letzter Zeit. Satelliten stürzen ab, Flugkörper verschwinden im Nirgendwo –

innerhalb von 9 Monaten ist ein Schaden von umgerechnet 400 Millionen Euro entstanden. Vor wenigen Wochen erst wurde Anatoli Perminiow, der Chef der ganz oben beim Kreml angebundenen Weltraumagentur ROSKOSMOS, entlassen.

Er meldete sich noch einmal zu Wort mit der Klage:

Mit 3,1 Milliarden Dollar seien die russischen Ausgaben für die Raumfahrt zuletzt sechsmal geringer gewesen als die amerikanischen.

Zunächst war Weltraum nach dem Zusammenbruch der UdSSR für Russland kein Schwerpunkt mehr – und dann wanderten die schlecht bezahlten Spezialisten ab. Und dann kommt da auch noch ein aus sowjetischen Zeiten ererbtes Problem hinzu: Bei Massenproduktion hapert es oft mit der Qualität. Das gilt nun offensichtlich auch für die in hoher Stückzahl hergestellten Weltraumfahrtzeuge.

Dafür bringt die europäische ESA die günstige Lage ihres Weltraumbahnhofes in Französisch-Guayana ins Spiel. Für 500 Millionen Euro wird an einer neuen Startrampe gebaut. Die erste russische Rakete soll in November von dort starten. Wenn bis dahin die Fehler gefunden sind.