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Trichet: Eurozone stabil, nur einige Mitglieder müssen Kurs korrigieren

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Trichet: Eurozone stabil, nur einige Mitglieder müssen Kurs korrigieren

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Griechenland ringt um das zweite Hilfspaket, Italien doktert an seinem Sparpaket herum, Deutschland debattiert … wie kommt die Eurozone aus der Schuldenfalle heraus? Auch Eurobonds seien kein Allheilmittel, warnte Währungskommissar Olli Rehn vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments in Brüssel:

“Eurobonds, in welcher Form auch immer sie eingeführt werden, müssten im Gegenzug von substantiell verschärften finanzpolitischen Kontrollen und stärkerer wirtschaftspolitischer Koordination begleitet werden, um weitere riskante, nicht nachhaltige öffentliche Haushalte zu vermeiden.”

EZB-Chef Jean-Claude Trichet, ebenfalls beim Ausschuss zu Gast, bekam für den Ankauf von Staatsanleihen Rückendeckung von den Abgeordneten: Ohne die Intervention der Europäischen Zentralbank hätte man noch mehr Probleme gehabt, hieß es. Unsere Kollegin Fariba Mavaddat sprach anschließend mit ihm.

euronews: “Lassen Sie mich mit der drängendsten Frage beginnen: Ist der Euro zu halten?”

Jean-Claude Trichet: “Der Euro ist eine sehr solide Währung, die ihren Wert über die Jahre bemerkenswert gehalten hat, sowohl ihren heimischen, als auch ihren internationalen Wert. Niemand, so scheint mir, ficht den Euro als Währung an. Wenn er als Währung angefochten würde, würde man nicht das beobachten, was derzeit an den Märkten zu sehen ist. Allem voran, wenn ich die Eurozone in ihrer Gesamtheit nehme, kann man grundsätzlich eine sehr solide Situation feststellen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Die Eurozone insgesamt hat ein Haushaltsdefizit von wahrscheinlich 4,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, während wir zehn Prozent in den USA haben, zehn Prozent in Japan und auch hohe Werte in anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Was wir in der Eurozone haben, ist ein Problem der Glaubwürdigkeit einiger Mitglieder, nicht Probleme der Eurozone als Block oder Probleme der Währung als solcher.”

euronews: “Es sieht aus, also ob die Öffentlichkeit das Vertrauen in ihre Regierungen verliert und die Bürger das Gefühl haben, dass die Welt von Finanzinstituten und Ratingagenturen regiert wird.”

Jean-Claude Trichet: “Alle Regierungen, insbesondere in Europa, versuchen, mit einer offensichtlich schwierigen Situation zurechtzukommen. Wir erleben gerade eine sehr spezielle Episode der Weltgeschichte: Es ist die schlimmste Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Also etwas sehr Großes – groß in Europa, groß in den USA, groß in Japan, groß im Rest der Welt. Und natürlich müssen wir diese Situation verbessern, wir müssen alle nötigen Konsequenzen aus dieser Krise ziehen, in allen Bereichen. Dazu gehören natürlich die Finanzmärkte und der Finanzsektor, in dem sehr streng eine Menge Reformen umgesetzt werden müssen. Und in Europa im Besonderen haben wir das Problem, dass wir unsere Regierungsführung verbessern müssen.”

euronews: “Würde das Problem gelöst, wenn ein oder zwei schwächere Volkswirtschaften aus der Eurozone ausstiegen?”

Jean-Claude Trichet: “Diejenigen, die sich in der Vergangenheit nicht angemessen verhalten haben, müssen ihren Kurs korrigieren. Es ist sehr interessant, zu sehen,

wo heute die Volkswirtschaften zu finden sind, die sich gegen der weltweite Krise am besten behaupten können. Außerhalb der Eurozone ist da Kanada. Kanada hatte schlimme Probleme in den neunziger Jahren zu bewältigen. Dann haben wir Schweden und die skandinavischen Länder, sie hatten zu Beginn der neunziger Jahre ebenfalls schwerwiegende Probleme. Wenn man also ein Problem hat und daraus die Konsequenzen zieht und den Kurs korrigiert, dann ist man hinterher sehr viel widerstandsfähiger.”

euronews: “Die Ratingagenturen, die sich als problematisch erwiesen haben – wie wollen Sie die künftig im Zaum halten?”

Jean-Claude Trichet: “Das ist ein Thema auf globaler Ebene. Es ist klar, dass wir es mit einer oligopolen Struktur zu tun haben, in der eine sehr kleine Zahl von Institutionen Einfluss auf eine sehr große Zahl von Märkten und Marktteilnehmern ausübt. Aber in diesem Bereich gibt es keine schnelle Lösung, deshalb müssen wir weiter vorsichtig bleiben.”