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Zu Besuch in Tripolis' berüchtigtem Abu-Salim-Gefängnis

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Zu Besuch in Tripolis' berüchtigtem Abu-Salim-Gefängnis

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Das Tor steht weit offen: Und doch war das hier eben noch ein berüchtigtes Gefängnis, das von Abu Salim in Libyens Hauptstadt Tripolis.

Vor fünfzehn Jahren wurde hier eine Häftlingsrevolte durch ein Massaker niedergeschlagen. Möglicherweise wurden damals mehr als tausend Gefangene getötet. Als Verwandte diesen Februar demonstrierten und späte Aufklärung verlangten, wuchs sich das zum Umsturz aus.

Letzte Woche flohen die Wächter vor den anrückenden Aufständischen, die Gefangenen wurden befreit. Zwei von ihnen kehren jetzt noch einmal hierher zurück: Fünfzehn und sechzehn Jahre haben sie hier zugebracht.

“Gott hat uns 1998 etwas geschenkt”, erzählt der eine: “In einem Loch war hier ein Radio versteckt. Alle Häftlinge haben zugehört. Gott hat die Wärter blind gemacht, dass sie das nicht gesehen haben.”

Die Schikanen waren zahlreich: Beim Hofgang war es zum Beispiel verboten, hoch zum Himmel zu sehen. “Wenn ein Häftling gegen Regeln verstoßen hat, etwa nach oben geguckt, dann haben sie die anderen in die Räume zurückgeschickt”, berichtet der andere Ex-Gefangene. “Dann kamen ein paar Wärter und haben ihn gefoltert und zusammengeschlagen.”

“Die Geschichten der beiden sind die gleichen wie Hunderte andere Geschichten aus dem berüchtigten Abu Salim”, meint Euronews-Reporter Dschamel Ezzedini. “Viele Jahre waren Folter und Demütigung ihr tägliches Los. Diese lange Zeit hat ihre Körper mitgenommen, aber niemals ihren Glauben an eine bessere Zukunft für Libyen – ohne die Losungen Gaddafis.”