Eilmeldung

Eilmeldung

In Libyen beginnt der große Kehraus!

Sie lesen gerade:

In Libyen beginnt der große Kehraus!

Schriftgrösse Aa Aa

Die internationale Staatengemeinschaft ändert ihren Kurs, von Krieg steuert sie um, in Richtung Wiederaufbau.

In Paris sind die Staats- und Regierungschefs zur großen Libyen-Konferenz zusammengekommen.

Die Staatengemeinschaft will dabei gemeinsam mit dem libyschen Übergangsrat den Grundstein für ein demokratisches Libyen ohne Gaddafi legen.

Doch noch mangelt es allerorten an Grundsätzlichem: Wasser, Brot, Elektrizität, Benzin.

Entsprechend sieht sich der libysche Übergangsrat auch in erster Linie einer Vertrauenskrise ausgesetzt. Dieses Vertrauen der Bevölkerung in die noch jungen Strukturen zu stärken wird nun vordringlichste Aufgabe aller Aufbauhilfen sein.

Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel hat bereits deutsche Hilfe beim Wiederaufbau zugesagt.

Der Neuanfang soll zum großen Teil aus den Milliarden finanziert werden, die Gaddafis Familie ins Ausland geschafft hat. Sie waren zunächst eingefroren worden, um Druck auf Gaddafi auszuüben und werden nun nach und nach freigegeben.

Wie geht es nach Muammar Gaddafi jetzt in Libyen weiter? Dazu fragen wir Hasni Abidi: Er leitet in Genf das Forschungszentrum für den arabischen und
den Mittelmeerraum.
 
Euronews: Welche Rolle können Frankreich und andere Länder aus dem Militärbündnis jetzt in Libyen spielen?
 
Abidi: Frankreich und Großbritannien haben natürlich
den Militäreinsatz angeführt, der den Aufständischen beim Sturz Gaddafis geholfen hat.
 
Wichtig ist jetzt aber, dass Libyen ein neues System und neue Einrichtungen entwickelt. Es gibt ja nur Gaddafis Institutionen.
 
Für die Zukunft stehen schwierige Probleme an, und der Übergangsrat wird sie alleine nicht lösen können.
 
Euronews: Wie kann man die Kämpfer auf beiden Seiten entwaffnen, damit nur offizielle Sicherheitskräfte über Waffen verfügen?
 
Abidi: Jeder weiß, dass unter den Aufständischen auch Islamisten sind. Landesweit sind enorm viele Waffen im Umlauf - von Gaddafi, aus anderen Ländern oder geschmuggelt: Schwer zu sagen, wie man diese Waffen wieder einsammeln könnte.
 
Euronews: Wie sehen Sie die Beziehungen zu Algerien, nachdem Mitglieder der Gaddafi-Familie dort aufgenommen worden sind?
 
Abidi: Diese Aufnahme bedeutet wohl kaum ein Ende der Beziehungen. Der Übergangsrat hat auch
pragmatische und realistische Mitglieder: Sie wollen gesunde Beziehungen zu den Nachbarländern aufbauen, vor allem zu Algerien.
 
Euronews: Seit 1969 hat es in Libyen keine politische Vielfalt mehr gegeben. Ist das Land
bereit für die Demokratie?
 
Abidi: Viele haben Angst, weil es heißt, dass einige Gruppierungen schon in Afghanistan gekämpft haben – wie die Gruppe von Abdelhakim Belhadsch, dem Befehlshaber der Aufständischen in Tripolis.
 
Diese Gruppierungen könnten sich in das politische System einmischen. Deshalb kann der Übergangsrat das Land nicht regieren. Er ist ein Werkzeug für den Übergang zu einem politischen System.