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9/11 und die Muslime von New York

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9/11 und die Muslime von New York

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Letzter Freitag im Ramadan in New York. Eine Moschee in Manhattan, im Viertel East Village.

Die Straße ist gesperrt, damit die Gläubigen auch draußen ungestört beten können. Die Christen schreiben das Jahr 2011, die Muslime das Jahr 1432.

Kurz nach Ende des Ramadan wird in New York der zehnte Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center begangen. Da kommen auch böse Erinnerungen hoch. Noman Rahman sagt: “Die Medien verbreiteten damals, alle Moslems seien schlecht. Also hassten uns die Leute”.

So schufen die Attentäter Mißtrauen und Hass gegenüber ihren Glaubensbrüdern. Die haben sich in New York immer sehr diskret verhalten.

Eine andere Moschee liegt im eher kleinbürgerlichen Stadtteil Queens. Auch hier erinnern sich gläubige Muslime mit Unbehagen an die Monate nach 9/11.

Rehanna Nayyar berichtet: “9/11 war schwer für uns, besonders für Frauen, die Kopftuch tragen, wie ich. In der U-Bahn pöbelte mich ein Junge an mit ´Terrorist..´Und ich dachte: ´oh mein Gott, jetzt holt mich die Polizei´”

Dabei waren auch unter den Opfern Muslime.

Leute, die in den beiden Türmen gearbeitet hatten.

So wie der Informatiker Naser Bhaiyan, der an jenem Morgen glücklicherweise zu spät kam….Zehn Jahre später sagt er: “ Es war einfach schrecklich. Die Leute sprangen von ganz oben. Weil ihnen nur die Wahl blieb, Feuer oder raus – da sind sie lieber gesprungen. Mein Büro war im 30. Stock des 1. Turmes. Von meiner Firma sind elf Leute ums Leben gekommen.”

Wo die Türme standen, liegt nun “Ground Zero” – Baustelle und Gedenkstätte gleichzeitig. Es gab Streit über den Vorschlag, dort auch eine Moschee einzurichten. Man hört reichlich Berichte über Diskriminierung von Muslimen. Dabei steht Manhattan doch eigentlich seit Jahrhunderten für multi-kulturelle Vielfalt und friedliches Zusammenleben. In East Village fragen wir beim italienischen Konditor gegenüber der Moschee.

Robert F. Zerilli betreibt hier schon lange seine “Veniero´s Pasticceria”. Er meint: “ Die Moschee auf der anderen Straßenseite öffnete 1976. Sehr klein, nette Leute, niemals Streit.

Aber nach 9/11, daran erinnere ich mich gut, benahmen sich einige Nachbarn den Moslems gegenüber anders. Und die wussten nicht, was sie tun sollten.”

Glücklicherweise scheint sich hier die amerikanische Glaubensfreiheit wieder durchgesetzt zu haben.

Die euronews-Reporterin schlussfolgert:

“ All die Polemik, all die Skandale, die durch Amerikas Politik und Medien geistern, scheinen in dieser so friedlichen Nachbarschaft vor der Tür zu bleiben. Hier leben sie in ruhiger Klugheit den Alltag guter Nachbarn.

Anna Bressanin, New York, für euronews.”