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Chirac-Prozess: Frankreich diskutiert Geisteszustand seines Ex-Präsidenten

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Chirac-Prozess: Frankreich diskutiert Geisteszustand seines Ex-Präsidenten

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Der Prozess gegen Frankreichs Ex-Präsident Jacques Chirac geht ohne den Hauptangeklagten weiter. Das Gericht in Paris entschied, über Chirac wegen dessen schlechten Gesundheitszustandes in Abwesenheit zu verhandeln.

Neun Mitangeklagte stehen ebenfalls vor Gericht, die Verhandlungen sind bis zum 23. September angesetzt.

Chiracs Anwälte hatten ein medizinisches Gutachten vorgelegt, wonach der bald 79-Jährige zu starke Gedächtnisprobleme hat, um einen Prozess verfolgen zu können.

Georges Kiejman, Anwalt von Jacques Chirac:

“Er kann natürlich über ganz allgemeine Themen sprechen, diskutieren, große und oft interessante Fragen aufwerfen. Aber es kann nicht auf einen ganz bestimmten Punkt konzentrieren. Und um genau solche Detailfragen dreht sich die Verhandlung.”

Chirac wird vorgeworfen, in den neunziger Jahren als Bürgermeister von Paris Scheinjobs für Parteifreunde geschaffen und öffentliche Gelder veruntreut zu haben.

Jérôme Karsenti, Anwalt der Nebenkläger – einige Privatleute und die Anti-Korruptionsvereinigung Anticor:

“Wir glauben, er nutzte all die Schalthebel der Macht für seinen eigenen Vorteil. Wir hätten ihm wirklich gerne persönlich ein paar Fragen gestellt. Es hätte uns gefallen, wenn er sich ihnen nicht entzogen hätte und Antworten hätten wir auch gut gefunden.”

Chirac und die heutige gaullistische Nachfolgepartei UMP von Präsident Nicolas Sarkozy haben sich bereits verpflichtet, die Stadt Paris mit 2,2 Millionen Euro zu entschädigen.

Jacques Chirac ist einer von elf sogenannten Weisen des Conseil Constitutionnel. Das französische Verfassungsgericht entscheidet unter anderem über die Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen

mit Reuters, afp