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9/11 und die folgenden Kriege


Afghanistan

9/11 und die folgenden Kriege

Osama bin Laden wurde als der Kopf der für die Anschläge verantwortlichen Gruppe ausgemacht.

Damit wurde er auch zum Feind Nummer 1 für die USA. Und die jagten ihn fortan, zunächst in den Bergen Afghanistans.

Die Vereinigten Staaten erklärten dem Terrorismus den Krieg. Im Herbst 2001 bombardierten sie als erste Kriegshandlung die in Afghanistan herrschenden Taliban, die bin Laden Gastrecht gewährten. Mit amerikanischer Hilfe wurden die Taliban vertrieben, rückten die Kämpfer der sogenannten “Nordallianz” bis Kabul vor.

Der Terroristenchef sollte gefangen werden, tot oder lebendig. Bis in die Berghöhlen von Tora Bora an der Grenze zu Pakistan verfolgten ihn amerikanische Spezialeinheiten. Vergeblich. In den unzugänglichern Stammesgebieten entkam den Amerikanern ihr neuer Hauptfeind immer wieder.

Fast 10 Jahre sollte es dauern, bis sie ihn zu fassen bekamen. Jahre, in denen der Erfolg der Afghanistan-Operation immer fraglicher wurde.

In denen die Taliban zurückkehrten und die meisten Bemühungen um den Aufbau eines demokratischen Staates scheiterten. Die Unzufriedenheit der einfachen Afghanen mit der eigener Regierung wächst ebenso wie der Hass auf die Fremden.

Der afghanische Politikwissenschaftler Waheed Mojda bezeichnet die vielen nächtlichen Aktionen zur Suche nach Bin Laden oder Mullah Omar als einen Fehler. Dabei wurden unschuldige Menschen getötet

So aber dauerte die Jagd fast 10 Jahre, ehe eine amerikanisches Spezialkommando bin Laden fand –

und auf der Stelle tötete. Da lebte der mit einigen Familienmitgliedern schon lange ruhig in einem Haus nahe der pakistanischen Hauptstadt.

Dieses Kommandounternehmen, bei dem die USA auf dem Territorium eines souveränen Staates handelten, hat die Beziehungen zu Pakistan nicht gerade verbessert. Die waren seit 9/11 niemals rein freundschaftlich. Viele Pakistani galt Osama bin Laden als Held. Die Regierenden hatte aber gar keine andere Wahl, als sich offiziell auf die Seite Washingtons zu schlagen. Ansonsten wäre das Land von den USA der “Achse des Bösen” zugerechnet worden. So geht seither für Pakistan der Bruch mitten durchs Land – mit der schrecklichen Konsequenz von 35.000 Toten in diesen zehn Jahren, darunter 5.000 Angehörige der verschiedenen Sicherheitskräfte.

Schlimmer noch traf es den Irak. Ein US-Präsident, der um jeden Preis einen Krieg gewinnen wollte, den einst sein Vater unentschieden beendet hatte, trieb die Welt mit Lügen in dieses Aberteuer.

Dafür mussten auch die Anschläge von 9/11 als Begründung herhalten. Erinnert sich noch jemand an die “Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussein” – die dann nie gefunden wurden?

Am 16. März 2003 traf sich der US-Präsident mit Verbündeten auf den Azoren. Und drei Tage später verkündete Bush in einer Fernsehrede, dass nunmehr Amerikaner und Koalitionstruppen eine militärische Operation begonnen hätten, um Irak zu entwaffnen, das Volk zu befreien, und die Welt gegen schlimme Gefahr zu verteidigen.

Es sollte ein Krieg werden, von dem die amerikanische Politik 8 Jahre nach seiner Entfesselung nur noch die Frage interessiert:

Wie kommen wir hier wieder heraus? Offizielle Verluste bisher: 4 477 gefallene Soldaten.

Und die Kosten summieren sich inzwischen auf gigantische 1,3 Billionen Dollar.

Die Welt ist eine andere geworden seit 9/11, eine viel mehr verwundbare und vielfach mehr verwundete.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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