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Tripolis kehrt zur Normalität zurück

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Tripolis kehrt zur Normalität zurück

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Den Diktator sind die Menschen in Libyen offenbar los, die Sorgen um den Alltag aber haben zugenommen. Das gilt auch für Tripolis, wo sich wie in allen größeren Städten die Müllberge häufen, wo die medizinische Versorgung zusammengebrochen ist und wo es an Trinkwasser fehlt. Auch die Sicherheit und die Versorgung mit Treibstoff sind ein Problem. Niemand aber macht die Revolution dafür verantwortlich. Gleichzeitig werden große Anstrengungen unternommen, um zur Normalität zurückzukehren, wie Agostino Miozzo, Leiter der Abteilung für Krisenhilfe im Auswärtigen Dienst der EU bestätigte.

Euronews:

“Sie sind soeben aus Tripolis zurückgekehrt, wo Sie das neue Büro der EU eröffnet haben. Unser Libyen-Korrespondent hat Sie dort vor einer Woche getroffen. Ihre Mission haben Sie abgeschlossen. Welches sind die Eindrücke, die Sie vor Ort gewonnen haben?”

Agostino Miozzo:

“Die Situation ist sehr instabil. Die Stadt versucht, zur Normalität zurückzukehren, doch es gibt Unwägbarkeiten, die eine große Rolle spielen. Das soziale Gefüge ist instabil, es gibt zu viele Waffen, zu viele Männer mit Kalaschnikows. Das Vorhandensein der Waffen hat mir den Eindruck großer Instabilität vermittelt.”

Euronews:

“Was kann Europa für die Sicherheit Libyens tun?”

Agostino Miozzo:

“Meine Mission, dieses auf die Forderung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton entsandte “Vorausteam”, war bereits ein starkes Signal Europas auf dem Territorium Libyens. Dass wir auf dem Hotel, in dem wir das Büro eröffnet haben, die europäische Flagge hissten, war ein starkes Signal für die politischen Vertreter der künftigen Regierung und für die Bevölkerung.”

Euronews:

“Muss Gaddafi gefunden werden, damit das Land zur Normalität zurückkehren kann?”

Agostino Miozzo:

“Gaddafi ausfindig zu machen, ist sehr wichtig. Gaddafi ist wie ein Gespenst, das umgeht, seine Gegenwart ist beunruhigend, nicht nur seine physische Erscheinung sondern alles, was er darstellt. Zwar ist es mit Gaddafi vorbei, zugleich aber ist er gegenwärtig und gibt Anlass zur Beunruhigung.”

Euronews:

“Die NATO schließt die Entsendung von Bodentruppen aus. Wird die Europäische Union eine zivile Aufgabe in Libyen übernehmen? Wenn ja, wann?”

Agostino Miozzo:

“Wir sind dazu bereit und der Europäische Rat hat sich dazu bereiterklärt. Es liegt an der künftigen libyschen Regierung zu sagen, wessen sie bedarf. Wir wissen, dass eine finanzielle Hilfe nicht notwendig ist, weil Libyen ein reiches Land ist. Mit Sicherheit aber braucht es technische Hilfe und Know-How – Europa ist bereit, dies zu leisten.”

Euronews:

“Während Ihres Besuchs in Tripolis sind Sie mit Mitgliedern des Nationalen Übergangsrats sowie mit Vertretern der Ölindustrie zusammengekommen. Werden die von dem Regime Gaddafis unterzeichneten Abkommen künftig respektiert werden?”

Agostino Miozzo:

“Alle haben versichert, dass die Geschäfte weitergeführt würden. Das bedeutet, dass einerseits internationale Verpflichtungen der Vorgänger-Regierung eingehalten werden und dass Angestellte und Techniker zu ihrer Arbeit zurückkehren. Eine interessante Anekdote: In Tripolis sah ich eine an alle Mobiltelefone des Landes verschickte Kurzbotschaft, in der es hieß, dass zum Ende des Fastenmonats alle zu ihren Arbeitsplätzen zurückzukehren hätten.”