Eilmeldung

Eilmeldung

Christiane Amanpour: "Der arabische Frühling zeigt, dass die Völker dort Extremismus ablehnen."

Sie lesen gerade:

Christiane Amanpour: "Der arabische Frühling zeigt, dass die Völker dort Extremismus ablehnen."

Schriftgrösse Aa Aa

Die Journalistin Christiane Amanpour hat auf CNN in den vergangenen 10 Jahren zahlreiche Berichte zum Thema “9/11 und die Folgen” publiziert.

Adrian Lancashire, euronews: Die Bush-Cheney- Regierung sprach von “Krieg gegen den Terrorismus” und von “Verteidigung der Freiheit” . Die Welt hat diese zehn Jahre dauernden Aktionen unterschiedlich wahrgenommen.

War das ein Rachefeldzug oder etwas Edles?

Christiane Amanpour

Sehen Sie, erstmals seit dem II. Weltkrieg wurden die Vereinigten Staaten angegriffen. Die hatten so etwas nie erlebt. Sie waren nie auf eigenem Boden angegriffen worden. Es war ein einmaliger Moment, als die USA entschieden, diese Terroristen, die sie angegriffen hatten, zu verfolgen und in Afghanistan einzumarschieren. Die NATO erklärte den Bündnisfall, der besagt, der Angriff auf ein Mitglied ist ein Angriff auf alle. Sie verfolgte die Terroristen und ich berichtete darüber. Sie schmissen Taliban und al Kaida aus Afghanistan raus. Damit wurde begonnen, den Feind in die Defensive zu drängen.

Wie wir wissen, wurden die Einsatzjahre sehr, sehr schwer. Nach dem Einmarsch in Afghanistan, der noch als Selbstverteidigungsakt zu legitimieren war, befand die Bush-Cheney-Regierung, sie müsse das jetzt im Irak fortsetzen. Und wie die Welt weiß, war das ein sehr, sehr umstrittener Schritt.

Jetzt viele Jahre später hat sich die Situation in diesem Teil der Welt natürlich radikal verändert.

Aber es besteht kein Zweifel daran, dass die USA in diesen 10 Jahren mit Dauerkriegen, Super-Wachsamkeit und Angst an Selbstbewußtsein und an Selbstbeherrschung verloren haben. Jetzt, 10 Jahre später, besteht die reale Hoffnung, dass die USA sich wieder vorwärts bewegen können. Es ist sehr, sehr wichtig, dass Osama bin Laden vor dem 10. Jahrestag gefunden und getötet wurde. Es ist von hohem symbolischen Wert für die USA, dass Ground Zero nicht länger Trümmerhaufen und Bauplatz ist, sondern dass da die Gedenkstätte steht.

euronews

Bei allen Gedenkfeiern geht es um die Opfer.

Die USA haben diesen Krieg begonnen, haben das Blut ihrer Soldaten vergossen, ebenso wie andere Staaten. Aber die USA haben sich damit auch hoch verschuldet – anders als die neue Mächte des 21. Jahrhunderts. Die Amerikaner haben getan, was ihnen richtig erschien. Sie haben Opfer gebracht.

Hat sie das geschwächt zum Nutzen anderer – etwa China oder Indien?

Christiane Amanpour

Es ist wie sie sagen, die USA gingen mit Unterstützung von Verbündeten in diese Kriege, die ungeheuer teuer wurden. Und jetzt haben nicht nur die USA wirtschaftliche Schwierigkeiten. Ihre Verbündeten in Europa auch. Es ist für den Westen eine sehr schwere Zeit. Mit der Schuldenkrise, der Arbeitslosenkrise, all das erreichte in den letzten Jahren seinen Höhepunkt. Schwer zu sagen, was davon speziell mit den Kriegen zusammenhängt.

Sie wissen, das sind politische Kommentare, bei denen die Leute sehr unterschiedliche Antworten finden. Fakt ist, die westlichen Mächte stehen momentan unter nie gekanntem ökonomischem und sozialem Druck. Sie sagen, zur gleichen Zeit sind China und Indien aufgestiegen. Aber China und Indien haben kein Interesse an wirtschaftlich schwachen USA. China hält einen Riesenanteil

der US-Schuldverschreibungen. Die wollen keineswegs, dass die USA pleite gehen oder geschwächt werden. Zur Zeit wetteifert man nicht nur um ökonomische Stärke sondern auch um politische Stärke und um Einfluß. Das ist gerade ein kritischer Moment.

euronews

Kann das durch die Anschläge erlittene Leid den USA Sympathien verschaffen in den Ländern des “arabischen Frühlings”, kann das die Menschen dort ermutigen im Kampf gegen korrupte Systeme?

Christiane Amanpour

Ich denke, es ist kein Zufall, was sich da jetzt in der arabischen Welt vollzieht. Wenn Sie sich erinnern: unmittelbar nach 9/11 fragten die Menschen in den USA und in Europa: “Wo sind die arabischen Völker, wo sind die Muslime? Wo stehen sie? Was wollen sie? Sind sie unlösbar auf eine gewalttätige Zukunft ausgerichtet?” Der arabische Frühling sagt uns, dass sie das nicht sind, dass dort moderate Stimmen den Weg Richtung Freiheit – Demokratie weisen. Hin zu all diesen Dingen, die wir für uns und unsere Kinder wollen: ein wirtschaftlich besseres Leben, eine berechenbare Regierung, für Mitsprache darüber, wie ihre Länder und Regierungen funktionieren. Das ist jetzt ein dramatischer Moment, eine gewaltige Chance, und – aus meiner Sicht – eine direkte Zurückweisung des Extremismus à la Bin-Laden , die zu 9/11 geführt hat. Das ist sehr wichtig. Es gab ja nicht nur die Anschläge vom 11. September in den USA, es gab Anschäge in London, in Madrid, in anderen Teilen der Welt. Das wird nun abgelehnt, was eine sehr große Möglichkeit darstellt und ich hoffe, dass die USA und die westlichen Mächte diese Chance richtig nutzen.

euronews

Nutzen wir diese Chancen für eine bessere Zukunft.

Vielen Dank Christiane Amanpour.