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Griechen-Pleite bedroht Europas Bankensektor

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Griechen-Pleite bedroht Europas Bankensektor

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Die Euro-Schuldenkrise hat eine beunruhigende Kettenreaktion ausgelöst. Die Diskussion um einen Staatsbankrott Athens, vor allem in Deutschland, wird immer ernster. Das sendete Schockwellen durch den französischen Bankensektor, der besonders stark in Griechenland engagiert ist.

Bei einem griechischen Zahlungsausfall müssten die französischen Banken auf sehr viel Geld verzichten. Dadurch droht eine Abstufung ihrer Kreditwürdigkeit etwa durch die Rating-Agentur Moody’s, die in den nächsten Tagen ihre Bewertung aktualisiert. Die Nerven liegen also blank – französische Bankenaktien stürzten regelrecht ab.

Kein Wunder, denn den Geldhäusern drohen Milliardenverluste. An der Spitze steht die BNP Paribas, die rund fünf Milliarden Euro zumeist in Anleihen in Griechenland investiert hat. Bei der Société Générale sind es 2,6 Milliarden Euro, bei der Banque Populaire 1,2 Milliarden Euro.

Nach Meinung von André Sapir vom Brüsseler Think tank Bruegel wird mit der Pleite Griechenlands bereits seit Monaten gerechnet. Die Frage sei nur noch: wann? Jetzt komme es nur noch darauf an, den Offenbarungseid Athens sorgfältig vorzubereiten, sonst könnte dies desaströse Folgen haben.

Inzwischen geht an Börsen und in Finanzkreise die Angst um, die großen Kreditinstitute in Frankreich und Deutschland könnten durch die griechische Pleite in Schieflage geraten.

Viele vergleichen die Situation bereits mit der Lehman Brothers-Pleite 2008. Doch aufgrund der guten Arbeit der Regierungen und der EZB sei die Lage heute stabiler, meint dagegen Goldman Sachs.

Unternehmen und Banken hätten heute mehr Geld auf der hohen Kante – das war 2008 einer der Schwachpunkte gewesen.

“Die Regierungen müssen der Eurozone einen Sinn geben”

euronews: Angst und massive Verkäufe haben seit drei Monaten die europäischen Finanzmärkte im Griff. Jetzt sind die französische Banken im Visier, der Euro sackt auf den tiefsten Stand seit Jahren. Philippe Waechter, Sie sind Head of Research bei Natixis Asset Management, hat die Finanzblase nun also den Kern Europas erreicht?

Waechter: Was uns über das Wochenende beunruhigt hat, war, daß nach dem Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark am Freitag keine massiveren Interventionen seitens der Regierungen am Wochenende gekommen sind. Das hätte man erwarten, sogar erhoffen können. Denn am Freitag hatten sich Investoren große Sorge über die Situation der Eurozone und über die Griechenland-Krise gemacht.

Wir sind noch immer in einer sehr gefährlichen Lage, die eigentlich ein entschlossenes politisches Handeln notwendig macht, denn der Euro ist in erster Linie eine politische Konstruktion. Und Europa ist eine politische Konstruktion.

Deswegen müssen die Regierungen ein Signal setzen und dieser politischen Konstruktion der Eurozone einen Sinn geben. Das ist es, worauf heute die Investoren warten.

euronews: Wenn sich die Situation verschlechtert, droht den Großbanken BNP Paribas, Credit Agricole und Société Générale eine Teil-Verstaatlichung. Würde das nicht das Risiko von Turbulenzen an den Märkten erhöhen und die Eurozone explodieren lassen?

Waechter: Diese Banken haben Schuldtitel aus Italien oder Griechenland in ihren Büchern und man sieht, daß der Wertverlust dieser Papiere massiv zu Buche schlagen kann. Deswegen lautet eine Lösung zur Unterstützung dieser Banken, daß die Europäische Zentralbank interveniert und Anleihen dieser Länder kauft, um in der aktuellen Situation die Risiken für die privaten Banken zu begrenzen. Denn diese Risiken könnten fatale Folgen mit sich bringen.

euronews: Ist der Rücktritt Jürgen Starks ein Zeichen für die sich verschärfenden Spannungen zwischen dem Norden und Süden der Eurozone?

Waechter: Zunächst einmal ist es ein Zeichen für die Spannungen innerhalb der EZB. Das war ja bei der August-Pressekonferenz von Jean-Claude Trichet schon sichtbar. Da hatte er gesagt, nicht jeder in der EZB sei mit dem Anleihe-Ankaufprogramm einverstanden. Der Rücktritt von Stark könnte jetzt natürlich der EZB größere Freiheiten geben, direkter und nachhaltiger auf dem Bondmarkt zu intervenieren. Der voraussichtliche Nachfolger von Stark, Jörg Asmussen, scheint zumindest auf dem Papier etwas pragmatischer zu sein. Insofern könnte er in dem künftigen EZB-Direktorium neuen Elan einhauchen.