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Wie Frankreich Libyen befreite

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Wie Frankreich Libyen befreite

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Vor allem der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy ist sehr daran interessiert, dass seine Rolle bei der Unterstützung des Umsturzes in Libyen öffentlich wahrgenommen wird. So kann er am schnellsten seinen Staatsempfang für Gaddafi 2007 vergessen machen. Den Beginn des “arabischen Frühlings” in Tunesien hatte Frankreichs Politik zunächst verschlafen. Umso wichtiger wurde, die internationale Unterstützerkonferenz für Libyen Anfang September nach Paris zu holen.

Angetrieben von der lauten Medienkampagne eines bekannten französischen Intellektuellen verkündete Sarokozy die Anerkennung des libyschen Übergangsrates, ohne seinen zu diesem zeitpunkt in Brüssel agierenden Außerminister zu informieren –

und er beeilte sich, als erstes westliches Staatsoberhaupt dessen Chef wie einen Staatsgast zu empfangen.

Die international nicht ganz unumstrittene Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrates zum Schutz der libyschen Bevölkerung durch Militäreinsatz trug ganz wesentlich die französische Handschrift. Außenminister Juppé sagte zur Begründung: “Wir können die Kriegstreiber nicht einfach machen lassen, wir können die Zivilbevölkerung nicht im Stich lassen als Opfer brutaler Niederschlagung, wir können nicht die internationale Moral verhöhnen lassen.”

Zwei Tage später flogen französische Mirages ihre ersten Angriffe auf Gaddafi-Truppen. Die französische Luftwaffe zerstörte gezielt Panzer und gepanzerte Fahrzeuge. Die Operation “afrikanischer Wind” hatte begonnen. Dankbar schwenkten daraufhin die aufständischen Libyer die französische Trikolore.

Die arabische Welt sprach nicht mehr vom französischen faux pas zu Beginn der tunesischen Volkserhebung.

Und Präsident Sarkozy, der im kommenden Jahr wieder gewählt werden will, darf sich über eine Zustimmung von 64 % seiner Landsleute freuen. Weht die französische Flagge erst einmal in den Straßen Libyens, dann dürfte es auch leichter sein,

wirtschaftlichen Interessen zu vertreten.

Unter Gaddafi war Frankreich stark in Erdölgeschäft engagiert. In Paris hofft man sehr, dass die neue Führung nicht an den alten Verträgen rüttelt.