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Yossi Beilin, israelischer Politiker:

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Yossi Beilin, israelischer Politiker:

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“ Ich glaube nicht, dass Netanjahu auf ein dauerhaftes Abkommen aus ist.”

euronews:

“Kommen wir nun zur israelischen Sicht. Yossi Beilin war Minister und nahm an Friedensverhandlungen teil. An ihn die Frage: Wie sieht man in Israel diese UN-Resolution, bei der Regierung wie in der Bevölkerung?”

Yossi Beilin:

“Die Stimmung in der Nation zusammenzufassen ist schwierig. Ich würde sagen, die Leute sind beunruhigt angesichts dieser UN-Resolution.

Das vorherrschende Gefühl ist, es könnte etwas Schlimmes passieren. Verteidigungsminister Ehud Barak hat von einem “Tsunami im September” gesprochen. Und die Leute verstehen jetzt, dass das, was um uns herum geschieht, nicht von dem Gegenstand selbst zu trennen ist, soll heißen, die Beziehungen zu Ägypten, zur Türkei, wo sich die öffentliche Meinung gegen Israel wendet, hängen damit zusammen.”

euronews:

“Wie sollte Ihrer Meinung nach die israelische Regierung jetzt vorgehen?”

Yossi Beilin:

“Ich muss sagen, ich verstehe nicht, wie Ministerpräsident Netanjahu vor einem Jahr den Vorschlag von Präsident Obama zurückweisen konnte, die Bauarbeiten in den jüdischen Siedlungen wenigstens für die zwei Monate der Verhandlungen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas einzustellen. Ich halte das immer noch für die einzige Option – für die Hauptoption – um an den Verhandlungstisch zurück zu kommen. Ich glaube nicht, dass Netanjahu auf ein dauerhaftes Abkommen aus ist. Ich glaube nicht, dass er bereit ist, den Mindestpreis zu zahlen, den die gegenwärtige pragmatische Palästinenserführung verlangt. Ich glaube nicht, dass die Palästinenerführung in der Lage ist, die Hamas an den Verhandlungstisch zu bringen. Darum wäre es heute vernünftig, die Erweiterung der Siedlungen einzufrieren und zu verhandeln. Sehr schnell zur zweiten Phase des Friedensplans zu kommen, zum Palästinenserstaat. In provisorischen Grenzen, die noch nicht jetzt, sondern in einem endgültigen Abkommen festgelegt werden.

Wenn das unmöglich ist, würde ich intensive Verhandlungen über die Formulierungen der UN-Resolution befürworten, damit die dann der UN-Vollversammlung vorgelegt werden kann. Ich denke, man könnte einen Kompromiss finden, damit diese Resolution der Vollversammlung statt zu einer Bestrafung Israels zu etwas führen könnte, was für beide von Vorteil wäre, für Israelis und Palästinenser, bezogen auf die Parameter einer dauerhaften Lösung. Und wenn das geschieht, als Ergebnis einer Resolution, dann wären Verhandlungen und schließlich eine Übergangslösung möglich.”

euronews:

“Die USA wollen in Sachen Mitgliedschaft der Palästinenser ihr Veto einlegen. Wie wird die israelische Regierung reagieren, wenn die Vollversammlung sich für die Resolution ausspricht?”

Yossi Berlin:

“Ja, es steht außer Frage, dass es in der Vollversammlung eine große Mehrheit dafür gibt.

Ich glaube nicht, dass die israelische Regierung in der Lage ist, jemanden dafür zu bestrafen, Gebiete zu annektieren oder Ähnliches zu tun. Ich weiß, dass unser Spitzendiplomat Mister Lieberman sagt, wenn dies oder jenes geschieht, wolle er die Welt bestrafen. Ich hoffe, der Ministerpräsident wird ihn davon abhalten. Ich glaube nicht, dass unsere Regierung die Mittel hat für Bestrafungen.”