Eilmeldung

Eilmeldung

Der Antrag der Palästinenser, eine Bedrohung für Israel?

Sie lesen gerade:

Der Antrag der Palästinenser, eine Bedrohung für Israel?

Schriftgrösse Aa Aa

Durch den Antrag der Palästinenser auf die Anerkennung eines Staates Palästina ist Israel bei den Vereinten Nationen erneut in den Mittelpunkt geraten. Wir sprechen mit dem israelischen Sicherheitsexperten Schlomo Brom über die Stimmung im Land.

Nial O’Reilly, euronews Journalist:

“Was hat die israelische Regierung für Möglichkeiten und wie wird sie ihrer Meinung nach reagieren?”

Schlomo Brom, israelischer Sicherheitsexperte:

“Die einen vertreten die Einstellung, dass sich sowieso nichts ändern wird. Ob die Palästinenser mit ihrem Antrag erfolgreich sind oder nicht, macht für sie keinen Unterschied. Demnach sind sie dafür, stillzuhalten und möglichst nicht zu reagieren.

Die anderen vertreten die Einstellung, dass der Antrag der Palästinenser gewisse Risiken mit sich bringt. Unter ihnen halten einige den Antrag für eine Bedrohung und erwägen sogar, die Palästinenser für ihre Initiative zu bestrafen.”

Euronews:

“Bestrafen inwiefern?”

Brom:

“Israel hat mehrere Möglichkeiten, um die Palästinenser zu bestrafen. Ein beachtlicher Teil des palästinensischen Haushaltsbudgets beruht auf Steuerabgaben, die von den Israelis eingetrieben werden und die sie dann den Palästinensern übergeben.”

Euronews:

“Sie haben an den Friedensverhandlungen mit den Palästinensern teilgenommen. Wie wird sich ihr Antrag bei der UNO auf die Wiederaufnahme der Gespräche auswirken?”

Brom:

“Das hängt von der Formulierung des Antrags der Palästinenser ab. Sie könnten in dem Schreiben nur um eine Anerkennung des Staates Palästina bitten. Sogar der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist mit einem Staat Palästina einverstanden. Er hat erklärt, dass er die Zweistaaten-Lösung unterstütze.

Es wird jedoch damit gerechnet, dass in dem Antrag der Palästinenser der Umfang dieses Staates angegeben wird, dass es etwa ein Palästina in den Grenzen von 1967 wäre.

In Israel fürchten viele, dass dann keine weiteren Verhandlungen mit den Palästinensern über den Verlauf der Grenzen zwischen den beiden Staaten möglich sind.”

Euronews:

“Der Antrag der Palästinenser erfolgt jetzt, in der Zeit der arabischen Revolutionen. Wie reagiert Israel auf den arabischen Frühling? Steht das Land bei seinen regionalen Beziehungen an einem Scheideweg?”

Brom:

“Israel ist bislang sehr passiv geblieben. Es verfolgt derzeit eine Art Abwartetaktik: “Mal sehen, was passiert. Die Zeit zu handeln, ist noch nicht gekommen. Ich fürchte Israel hat da eine Chance verpasst, insbesondere mit arabischen Ländern, wie

Ägypten.”