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Im palästinensischen Flüchtlingslager warten sie immer noch auf die Heimkehr

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Im palästinensischen Flüchtlingslager warten sie immer noch auf die Heimkehr

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Dies ist die Einfahrt zum palästinensischen Flüchtlingslager Aida nahe Bethlehem.

Rund 5000 Menschen leben hier. Die Bewohner nennen es das “Jerusalem-Tor”. Der große Schlüssel soll daran erinnern, dass ihnen von den eigenen Häusern nur die Schlüssel blieben. In Aida und dem benachbarten Lager Dheisheh kamen 1948 die aus 40 Dörfern in der Nähe von Jerusalem geflohenen Palästinenser unter.

Einer von ihnen war Ahmad Nasrallah Jibril aus dem Dorf Khirbet El Umur. Er erzählt: “Es herrschte Krieg zwischen Juden und Arabern. Die Juden fingen an, unser Dorf mit Granaten zu beschießen. Da sind wir alle geflohen, die Jungen wie die Alten. Ich war 8 Jahre alt und ich erinnere mich gut. Die Israelis zerstörten das Dorf. Es war Krieg. Sie legten Sprengstoff in die Häuser. So zerstörten sie unser ganzes Dorf.”

Nebenan wohnt die Familie von Ahmad Jalil el Hasrak. Sie hat gleich zweimal fliehen müssen.

Zuerst 1948 aus ihrem Dorf Kabou nahe Bethlehem und dann aus der neuen Bleibe in Jordanien, als Israel 1967 ihren neuen Wohnort besetzte.

Er erzählt, sie hatten von dem Massaker im Dorf Deir Yassin gehört, wo die jüdische Irgun-Miliz am 9. April 1948 beim Kampf um einen Zugang nach Jerusalem mehr als 100 Araber getötet hatte.

Das machte ihnen große Angst, so dass sie ihre Heimat verließen. Ihr eigenes Land. Den Ort, an dem 300 Menschen ihr eigenes Land bestellt und davon zufrieden und glücklich gelebt hatten.

Seine Frau zeigt, was die Familie aus ihrer Heimat bewahrt hat. “Wie nahmen mit, was wir konnten, aber damals hatten die Menschen nicht viel”, sagt sie. “Nur Kleidung, Bettzeug und Küchengeräte.”

Wie einen Schatz bewahrt die Familien die einzigen beiden Stücke aus der 1948 verlorenen Heimat.

Geräte zum Brot backen und Getreide sieben.

Die verlorene Heimat ist den Flüchtlingen allen Generationen heilig, auch wenn sie erst später im Lager geboren wurden wie Samir Awis.

Er sagt:” Ich bin zwar im Flüchtlingslager geboren, aber im Herzen fühle ich, dass ich aus dem Dorf meiner Familie komme. Auch wenn ich durch die israelische Besatzung nie ein Chance hatte, mein Dorf mit meinen eigenen Augen zu sehen. Es liegt jetzt in der grünen Zone. Dort darf ich nicht hin, obwohl er nur zehn Minuten von hier entfernt ist.”

Auch am Checkpoint, der den Zugang zum Lager Dheisheh bildet, hängen Hausschlüssel, Zeichen dafür, dass die Palästinenser ihre Heimat nicht vergessen haben.

Die euronews-Reporterin erinnert daran, dass Israel darauf beharrt, die Palästinenser seien nicht vertrieben worden, weshalb sie auch kein Rückkehrrecht hätten. Und sie zeigt die Wand mit Auszügen aus der UN-Resolution 194 von 1948 zum Rückkehrrecht der Palästinenser.