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Benedikt XVI in Berlin: Von "guten und schlechten Fischen"

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Benedikt XVI in Berlin: Von "guten und schlechten Fischen"

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“Lasset die Kindlein zu mir kommen” sagt Jesus Christus in der Bibel (Markus-Evangelium, Kapitel 10, Vers 14) – und streitet sich mit den Jüngern herum, denen das Gedrängel der Eltern zuviel geworden war.

Beim Papstbesuch in Berlin, rund 2000 Jahre später, ist man Superlative gewohnt. 80 000 Hostien lagen bereit, um die Messe im Olympiastadion zum Auftakt der Deutschlandreise von Benedikt XVI zu einem Erfolg zu machen. 800 Priester und Helfer verteilten sie, 1500 Ministranten und hunderte Choristen feierten mit.

Gestritten wird bei Benedikt nicht. Aber er gibt Signale: Nach dem Gezänk im Vorfeld über Homosexuelle oder geschiedene Katholiken begrüßte ihn Berlins schwuler Bürgermeister herzlich, der geschiedene und wieder verheiratete Katholik Christian Wulff war Ehrengast.

“Ich denke, auch heute können wir letztlich nichts anderes wünschen, als ein hörendes Herz, die Fähigkeit Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden,”

sagte Benedikt im Bundestag – da hielt er eine Vorlesung zur Verantwortung jedes Politikers für Gerechtigkeit und Frieden – um seine Distanzierung von Deutschlands brauner Vergangenheit wahrzunehmen, mußte man genau hinhören.

Selbstkritik, etwa zum Thema sexueller Missbrauch? Ja, leise: Auch in der Kirche gebe es “gute und schlechte Fische,” hatte er im Stadion gesagt, “Weizen und Unkraut.”

Am Freitag wandelt Benedikt in Erfurt auf den Spuren Martin Luthers.

mit dpa, afp, Reuters