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Matthias Schmale, IFRC: "Geber müssen in langfristige Vermeidung von Hunger investieren."

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Matthias Schmale, IFRC: "Geber müssen in langfristige Vermeidung von Hunger investieren."

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Nachdem die Föderation der Gesellschaften vom Roten Kreuz und vom Rotem Halbmond ihren Weltkatastrophenbericht veröffentlicht hat, sprechen wir mit Matthias Schmale, dem für die Programme zuständigen zweiten Mann an der Spitze dieser internationalen Hilfsorganisation.

Vor 20 Jahren sprach man noch von Nahrungsmittelkrise in fünf Ländern – heute trifft es in Afrika allein 19 Länder. Hat das mit Globalisierung zu tun oder mit Klimawandel?

Matthias Schmale

Aus unserer Sicht kommen mehrere Faktoren zusammen. Einer der wichtigsten hat mit steigenden Nahrungsmittelpreisen und deren Unberechenbarkeit zu tun. Ein Aspekt dabei ist: Es wird genug Nahrung produziert, um alle Erdenbürger satt zu machen, also kann es wohl nicht an der Nahrungsmittelproduktion liegen.

Es geht vielmehr darum, wie jene, die sie brauchen, an Nahrung gelangen. Teil des Problems in den 19 Ländern, die Sie genannt haben, ist die Tatsache, dass die Menschen ganz einfach nicht die dort geforderten Preise für Grundnahrungsmittel bezahlen können. Wir haben dramatische Preisanstiege gesehen, vor allen in den vergangenen zwei bis drei Jahren.

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Welche Rolle spielen Verteilung und Transport?

Matthias Schmale

Das sind Schlüsselelemente. Entscheident aber ist:

ist die Nahrung erschwinglich? Dazu erinnere ich mich an ein typisches Erlebnis. Als ich vor Jahren in Äthiopien war, boten mir die Menschen in einer abgelegenen Wüstenregion etwas zu trinken an – und zwar Pepsi-Cola. Das zeigt doch, Logistik und Vertrieb sind nicht das Problem. Man findet Luxusgüter überall auf der Welt, in den abgelegendsten Gegenden. Es geht um den Zugang

und darum, die richtigen Anreize für die Menschen zu schaffen, um sicher zu stellen, dass Nahrung zu denen gelangt, die sie brauchen.

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Die Mission ihrer Föderation besteht darin, Leben zu retten und dazu die Sichtweise zu ändern. Um welche genau handelt es sich?

Matthias Schmale

Ich denke, die Weltgemeinschaft und die nationalen Regierungen müssen ihr Augenmerk auf Investitionen in die Landwirtschaft richten. Besondern auf die kleinen Betriebe. Dazu ist der andere Blick nötig.

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Mehr von Seiten der Geber- oder der Empfängerländer?

Matthias Schmale

Mehr von der Geberseite. Wir haben noch zu viele Geber, die weiterhin unterscheiden zwischen “humanitärer Hilfe” und Entwicklungshilfe. Klar ist doch, wenn wir künfig solch eine dramatische Hungersnot vermeiden wollen, wie wir sie jetzt am Horn von Afrika erleben, dann müssen wir in langfristige Entwicklungsprozesse investieren.

Dazu müssen die Geber flexibel sein, nicht erst einfach auf aktuelle Krisen reagieren sondern längerfristig in die Vermeidung von Katastrophen investieren. Das ist es, was die Geber tun müssen.

Und auf Empfängerseite müssen die Regierungen der Hilfe für die am meisten gefährdeten Menschen in ihren Ländern bzw. in ihren Gemeinden Vorrang einräumen. Dazu gehört einerseits, dass entsprechende Bedingungen für die Landwirtschaft geschaffen werden, besonders jene der Kleinbetriebe. Gebraucht werden aber auch soziale Netze samt sozialer Hilfsmaßnahmen für jene Menschen, die durch die Maschen fallen.