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Börsen hoffen auf baldige Griechenland-Lösung

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Börsen hoffen auf baldige Griechenland-Lösung

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Angetrieben von der Hoffnung auf eine Lösung der Euro-Schuldenkrise haben die europäischen Börsen die neue Woche mit einem Befreiungsschlag begonnen. Frankfurt gewann fast drei Prozent, Zürich rund zwei Prozent. Die Märkte vertrauten auf die volle Unterstützung Deutschlands bei der Stärkung des Euro-Rettungsfonds, hieß es bei Händlern. Unterstützung kam außerdem vom überraschend guten ifo-Geschäftsklimaindex in Deutschland.

Der Pariser Analyst François Chaulet hält dennoch eine Pleite Griechenlands für nicht restlos ausgeschlossen.In diesem Fall müßten alle Halter von griechischen Anleihen mit herben Verlusten rechnen. Dies widerum hätte negative Konsequenzen für die gesamte Finanzbranche.

Aktien von Banken gehörten allerdings heute zu den großen Gewinnern an den Börsen. Investoren hoffen also auf einen guten Ausgang der Krise.

Über die Folgen einer Pleite Griechenlands für die Kreditbranche sprach Euronews mit dem Vorsitzenden des Europäischen Bankenverbandes, Guido Ravoet.

euronews: Herr Ravoet, das Szenario einer Pleite Griechenlands scheint immer weniger tabu zu sein und könnte schon in dieser Woche Wirklichkeit werden. Den europäischen Banken drohen damit Verluste von bis zu 50 Prozent ihrer griechischen Schuldtitel. Ist die Branche darauf vorbereitet?

Ravoet: Ich denke wir brauchen jetzt klare und durchgreifende politische Entscheidungen, damit das Vertrauen zu Finanzmärkten und Investoren zurückkommt. Die europäischen Banken können gut mit diesen Wertverlusten leben, da sie ihr Engagement bei griechischen Anleihen bereits reduziert haben.

Euronews: Investoren machen sich immer größere Sorgen über die Solidität des europäischen Bankensektors. Praktisch jeder fordert eine Rekapitalisierung der Banken. Über welche Summen reden wir hier?

Ravoet: Die europäischen Banken erfüllen ihre Auflagen in punkto Kapital sehr gut. Außerdem haben sie erst vor wenigen Monaten einen sehr harten Stresstest bestanden, bei dem der Wertverlust einer Staatspleite durchgespielt wurde. Das Ergebnis war, daß die europäischen Banken gut aufgestellt sind, um mit einer solchen Krise fertig zu werden. Es gibt keinen Grund, an der Solvenz und der Solidität der europäischen Banken zu zweifeln. Was die Rekapitalisierung angeht, so entscheiden darüber die Märkte.

Euronews: Die Pleite von Lehman Brothers 2008 ist noch jedem in Erinnerung, bei Investoren wie bei Verbrauchern. Können Sie als Vorsitzender des Europäischen Bankenverbands uns versichern, daß die Institute kein Pleiterisiko darstellen?

Ravoet: Ich denke, daß sich ein Lehman-Szenario nicht wiederholen kann, denn inzwischen sind auf internationalem Niveau, auf europäischem Niveau, Instrumente und Kontrollmechanismen entwickelt worden, die den Bankensektor und die Finanzmärkte überwachen und die im Moment der Lehman-Pleite noch nicht existierten.

Ich denke also, wir sind auf einem guten Weg. Aber ich sage auch, wir müssen jetzt Instrumente schaffen, die Entscheidungen treffen und auch umsetzen. Denn bisher gab es einen zu großen zeitlichen Abstand zwischen politischen Entscheidungen und deren praktischer Umsetzung. Dieser Zeitabstand muß verkürzt werden.