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Platzwechsel im Kreml

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Platzwechsel im Kreml

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An der Spitze der russischen Politik spielen sie “Bäumchen wechsle dich”. Dimitri Medwedjew hat als Platzhalter im Kreml seine Pflicht getan. Nach einer Legislaturperiode auf dem zweiten Platz kann Wladimir Putin wieder offen zeigen, dass in Wirklichkeit er der starke Mann ist im Riesenreich.

Er dankte beim Parteitag den treuen Anhängern für ihre “positive Reaktion auf seine Bewebung um das Amt des russischen Präsidenten.”

Der getreue Medwedjew wird – obwohl er im Dezember noch Staatschef ist – als Spitzenkandidat zur Parlamentswahl antreten. Er wird gewinnen und Putin als Regierungschef nachfolgen.

Überraschend an dieser Inszenierung war nur, dass einer mal nicht mitspielen wollte.

Alexej Kudrin, seit 11 Jahren Finanzminister, länger als alle seine Kollegen bei den G 8, hatte verkündet, unter einem Ministerpräsidenten Medwedjew wolle er nicht mehr mitmachen.

Hatte er vielleicht selbst auf diesen Posten gehofft?

Prompt kam die klare Ansage von Noch-Präsident Medwedjew: Wer als Minister mit dem Kurs der Staatsspitze nicht einverstanden sei, könne gehen.

Wörtlich: “Ich werde jedes verantwortungslose Geschwätz abstellen. “

Am später Monatag Nachmittag reicht daraufhin Finanzminister Kudrin seinen Rücktritt ein, der auch sofort angenommen wurde.

Auf Russland warten schwierige und unpopuläre Reformen. Das Land muss seine einseitige Abhängigkeit vom Exöl- und Erdgasexport loswerden, wenn es langfristig nicht an Boden verlieren will in der Weltwirtschaft.

Die marode Infrastruktur führt immer wieder zu Unfällen. Sie muss dringend modernisiert werden.

Verändert werden müssten eigentlich auch Verantwortungsgefühl und Sorgfalt bei der Arbeit, was tiefe kulturelle Veränderungen verlangen würde.

Zum Beispiel weniger Alkohol bei der Arbeit. Aber das haben schon frühere Regime vergeblich versucht. Die Korruption ist ein ebenso schwer auszurottendes Übel. In der Bewertung von Transparency international bewegt sich Russland auf den gleichen Niveau wie Kambodscha, Kenia oder Laos. Und dann macht der demografische Wandel natürlich auch vor diesem Riesenland nicht Halt. Bis 2025 – das wäre dann das Jahr nach Ende der Putin-Herrschaft – wird die Zahl der beruflich aktiven Bürger um zehn Millionen gesunken sein.